Jedes Projekt hat einen ersten Schritt. Bei Lernwunder war es eine kleine App mit einem unscheinbaren Namen: Zahlzerlegung. Sie ist unsere älteste App, und vieles, was heute selbstverständlich durch alle unsere Apps trägt, haben wir hier zum ersten Mal gelernt – manches auf die harte Tour.
Warum ausgerechnet Zahlzerlegung?
Die Wahl des Themas war kein Zufall. Wer Grundschulkinder beim Rechnen beobachtet, sieht früh, wo es sich entscheidet: beim Teil-Ganzes-Verständnis. Ein Kind, das sicher weiß, dass sich 8 in 5 und 3 oder 6 und 2 zerlegen lässt, hat das Werkzeug, um sich vom zählenden Rechnen zu lösen. Ein Kind, dem das fehlt, zählt oft noch in der dritten Klasse mit den Fingern.
Die Forschung ist hier ungewöhnlich eindeutig: Mangelndes Teil-Ganzes-Verständnis gilt als einer der Hauptgründe für spätere Mathematikschwierigkeiten. Wenn man also eine erste App baut, die wirklich etwas bewegen soll, ist die Zahlzerlegung ein guter Ort, um anzufangen.
Drei Lektionen, die alles Spätere prägten
Beim Bauen dieser ersten App haben wir drei Überzeugungen gewonnen, die seitdem in jeder Designentscheidung mitschwingen.
Erstens: Struktur schlägt Zufall. Mengen dürfen nie als zufälliger Haufen erscheinen. Von Anfang an haben wir alles in Fünfergliederung dargestellt. Diese eine Entscheidung hat sich so bewährt, dass sie heute in Noa, unserer kommenden Mathe-App, ebenso steckt.
Zweitens: Fehler dürfen nicht bestrafen. In frühen Überlegungen lag der Reflex nahe, falsche Antworten mit rotem Blinken oder einem Fehlerton zu quittieren. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Ein Kind, das übt, soll sich sicher fühlen, nicht ertappt. Ein „falsches” Ergebnis wird zu einer ruhigen Umleitung, nicht zu einem kleinen Versagen.
Drittens: Üben heißt das Richtige üben. Eine App, die nur zufällige Aufgaben stellt, verschwendet die Zeit des Kindes. Schon Zahlzerlegung bekam anpassbare Schwierigkeitsstufen und eine Fortschrittsverfolgung, damit geübt wird, was noch wackelt. Aus diesem Gedanken ist später das adaptive Wiederholungssystem von Droptiply gewachsen.
Der Anfang einer Familie
Zahlzerlegung steht bis heute im App Store, schlicht und fokussiert. Aber ihre eigentliche Wirkung liegt darin, dass sie zur Blaupause wurde. Die Fünfergliederung, der freundliche Umgang mit Fehlern, das gezielte statt zufällige Üben – all das wurde hier geboren und trägt heute Droptiply, TinuTime und Noa.
Manchmal ist die wichtigste App nicht die größte, sondern die erste, in der man herausfindet, woran man wirklich glaubt.