Kurz gesagt: Viele Förderpläne werden geschrieben, weil sie vorgeschrieben sind, und danach kaum noch benutzt. Studien finden immer wieder dieselben Schwächen: Ziele, die man nicht beobachten kann, keine Angabe, woran Erfolg gemessen wird, und Evaluationen, die fehlen oder keine Entscheidung enthalten. Ein Förderplan wird gelesen, wenn er kurz ist (wenige Ziele), konkret (beobachtbares Verhalten) und überprüfbar (Kriterium, Termin, Methode), und wenn die Evaluation in eine nächste Entscheidung mündet.

Ein Freitagnachmittag im Lehrerzimmer, eine Szene, die wir uns ausgedacht haben, die aber vielen bekannt vorkommen dürfte: Der Ordner mit den Förderplänen liegt auf dem Tisch, der Abgabetermin ist am Montag. Sechs Seiten pro Kind, Felder für Stärken, Ausgangslage, Ziele, Maßnahmen, Zuständigkeiten. Die Ziele vom letzten Halbjahr stehen noch drin: „soll seine Lesefähigkeit verbessern“, „soll sich besser konzentrieren“. Ob das geklappt hat? Schwer zu sagen. Also wird kopiert, angepasst, abgeheftet.

Wenn Ihnen das vertraut vorkommt: Sie sind nicht allein, und es liegt selten an mangelndem Einsatz.

Wozu ist ein Förderplan eigentlich da?

Ein Förderplan beschreibt für ein Kind mit besonderem Unterstützungsbedarf, wo es steht, was es als Nächstes lernen soll, was dafür getan wird und woran man merkt, ob es gewirkt hat. In allen Bundesländern sind Förderpläne für Schülerinnen und Schüler mit festgestelltem sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf vorgeschrieben (Neumann et al., 2026). Wie sie aussehen müssen, regeln die Länder.

In der Fachliteratur hat ein Förderplan mehrere Funktionen gleichzeitig: den Unterricht planen, Lernprozesse strukturieren, Absprachen zwischen Lehrkräften und mit Eltern ermöglichen, aber eben auch dokumentieren und legitimieren (Moser Opitz et al., 2019). Das Problem beginnt, wenn die letzte Funktion die anderen verdrängt.

Was zeigen Studien über Förderpläne in der Praxis?

Geschrieben ja, genutzt selten. In einer Schweizer Befragung von 226 Lehrkräften wurden Förderpläne dort, wo sie verlangt werden, meist auch erstellt. Im Vordergrund stand aber die Dokumentations- und Legitimationsfunktion, nicht die Förderung selbst. Für die Unterrichtsplanung wurden die Pläne nicht genutzt (Moser Opitz et al., 2019).

Gewollt, aber zu aufwendig. Eine Zufallsstichprobe von Schulen in Nordrhein-Westfalen wurde 2024 gefragt, ob sie Förderpläne auch ohne Vorschrift schreiben würden. 54 Prozent sagten ja, 26 Prozent „nur in abgewandelter Form“, 19 Prozent nein. Als Gründe nannten sie vor allem Zeitmangel, formale Vorgaben und dass die Pläne im Alltag nicht genutzt werden, kaum aber eine Ablehnung der Förderplanung an sich (Neumann et al., 2026).

Evaluation fehlt oft. Eine Analyse von 112 echten Förderplänen aus einem Bundesland fand in weniger als 40 Prozent überhaupt Einträge zur Evaluation. Wo es sie gab, wurde im Schnitt nur jede zweite Maßnahme bewertet. Und nur ein sehr kleiner Teil der Einträge, knapp 4 Prozent, verband eine Beobachtung mit einer Entscheidung, wie es weitergehen soll (Koßmann & Eilinghoff, 2021).

Ziele, die man nicht messen kann. Eine US-Studie hat 35 Förderpläne (dort IEP genannt) für jüngere Kinder mit Autismus ausgewertet. Nur 41 Prozent der Ziele beschrieben beobachtbares Verhalten. Wie der Fortschritt gemessen werden sollte, stand bei knapp 2 Prozent dabei, ein konkretes Kriterium samt Zeitraum bei keinem einzigen (Ruble et al., 2010). Die Studie ist älter und stammt aus einem anderen Schulsystem, die Muster ähneln aber dem, was die deutschen Untersuchungen beschreiben.

Grafik: Drei Befunde aus Studien zu Förderplänen. Erstens: In weniger als 40 Prozent von 112 Förderplänen standen überhaupt Einträge zur Evaluation, knapp 4 Prozent dieser Einträge enthielten eine Entscheidung (Koßmann & Eilinghoff 2021). Zweitens: 41 Prozent der Ziele beschrieben beobachtbares Verhalten, 2 Prozent nannten die Messmethode, 0 Prozent Kriterium und Zeitraum (Ruble et al. 2010). Drittens: 54 Prozent der befragten Schulen würden Förderpläne auch ohne Vorschrift schreiben, 26 Prozent nur abgewandelt (Neumann et al. 2026).

Warum ist die Evaluation so wichtig?

Weil erst sie aus einem Dokument ein Werkzeug macht. Eine Übersichtsarbeit zu regelmäßigen Lernstandsmessungen kam zu dem Ergebnis, dass Lehrkräfte, die den Fortschritt regelmäßig messen, bessere Lernergebnisse erreichen, vor allem dann, wenn sie feste Regeln haben, wann sie den Unterricht ändern (Stecker et al., 2005). Messen allein reicht also nicht. Entscheidend ist der Schritt danach: weitermachen, anpassen oder ein neues Ziel setzen.

Für einen Förderplan heißt das: Ein Ziel ist nur so gut wie die Frage, ob man nach sechs oder acht Wochen sagen kann, ob es erreicht ist.

Was macht ein Förderziel brauchbar?

Eine verbreitete Merkhilfe ist SMART: spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert. Für den Schulalltag lässt sie sich auf drei Fragen verdichten:

  • Was genau soll das Kind tun? Beobachtbares Verhalten statt Eigenschaft. Nicht „sich besser konzentrieren“, sondern „arbeitet bei Einzelarbeit 10 Minuten am Auftrag, bevor es um Hilfe bittet“.
  • Unter welchen Bedingungen? Mit oder ohne Material, allein oder mit Unterstützung, in welcher Situation.
  • Woran merken wir es, und bis wann? Ein Kriterium („in 8 von 10 Aufgaben“), ein Termin und eine Methode („zweimal kurz überprüft“).

Grafik: Vorher und nachher. Vorher: „Soll sicherer rechnen.“ Nachher: „Löst bis zu den Herbstferien Plusaufgaben bis 20 mit Zehnerübergang: mindestens 8 von 10 richtig, ohne Material, in zwei kurzen Überprüfungen.“ Dazu Maßnahme, wer, wann und Evaluationstermin.

Was Sie tun können

  1. Höchstens drei Ziele. Lieber drei Ziele, die im Unterricht wirklich vorkommen, als acht, die niemand im Blick behält. Die übrigen Themen können in den nächsten Plan.
  2. Jedes Ziel als Satz mit Verb. „Liest …“, „schreibt …“, „bittet um …“. Wenn sich kein beobachtbares Verb findet, ist das Ziel noch zu allgemein.
  3. Kriterium und Termin gleich mitschreiben. Wer das Ziel formuliert, legt auch fest, wann und wie es überprüft wird, und trägt den Termin in den Kalender ein.
  4. Maßnahmen konkret, aber kurz. „Täglich 10 Minuten mit dem Zwanzigerfeld, Rechenweg laut sagen“ statt „individuelle Förderung im Unterricht“. Wer die Maßnahme so genau beschreibt, kann sie später auch bewerten.
  5. Evaluation in drei Wörtern. Erreicht, teilweise, nicht erreicht. Dazu ein Satz Beobachtung und eine Entscheidung: weiter, anpassen, neu.
  6. Stärken nicht vergessen. Sie sind oft der Hebel für die Maßnahme und machen das Gespräch mit Eltern leichter.
  7. Den Plan dort aufbewahren, wo Sie unterrichten. Ein Plan im Ordner im Schrank wird nicht gelesen. Ein kurzer Plan im Unterrichtsmaterial schon.

Woran wir arbeiten

Uns beschäftigt die Frage, wie ein Förderplan so kurz wird, dass Lehrkräfte ihn benutzen, und so konkret, dass man danach unterrichten kann. Deshalb arbeiten wir an einem Werkzeug für Lehrkräfte, das genau diesen Zyklus aus Planen, kurzer Evaluation und Fortschreiben in den Mittelpunkt stellt. Es ist noch nicht fertig, und wir versprechen keinen Termin. Wenn es so weit ist, schreiben wir hier darüber.

Häufige Fragen

Muss ein Förderplan nach SMART formuliert sein? Rechtlich schreibt das in der Regel niemand vor; die Vorgaben der Länder und Schulen unterscheiden sich. SMART ist eine Merkhilfe, keine Norm. Entscheidend ist, dass man am Ende sagen kann, ob ein Ziel erreicht ist.

Wie oft sollte ein Förderplan evaluiert werden? Das legen Länder und Schulen fest, oft halbjährlich. Für einzelne Ziele lohnen sich kürzere Abstände von einigen Wochen, damit Sie rechtzeitig anpassen können. Eine feste Zahl gibt die Forschung nicht vor.

Was ist, wenn ein Ziel nicht erreicht wurde? Dann ist der Plan nicht gescheitert, sondern hat eine Information geliefert. Halten Sie fest, was Sie beobachtet haben, und entscheiden Sie: mehr Zeit, andere Maßnahme oder ein kleineres Ziel. Genau diese Entscheidung fehlt laut Koßmann und Eilinghoff (2021) in den meisten Evaluationen.

Ersetzt ein guter Förderplan Diagnostik? Nein. Ein Förderplan baut auf einer Einschätzung des Lernstands auf, er ersetzt sie nicht. Bei Unsicherheit helfen sonderpädagogische Lehrkräfte, schulpsychologische Dienste oder Beratungsstellen.

Quellen

  • Koßmann, R. & Eilinghoff, P. M. (2021). Was sich aus evaluativen Eintragungen in Förderplänen lernen lässt. Hildesheimer Beiträge zur Schul- und Unterrichtsforschung, Heft 3. Universitätsverlag Hildesheim. https://doi.org/10.18442/190
  • Moser Opitz, E., Pool Maag, S. & Labhart, D. (2019). Förderpläne: Instrument zur Förderung oder „bürokratisches Mittel“? Eine empirische Untersuchung zum Einsatz von Förderplänen. Empirische Sonderpädagogik, 11(3), 210–224. https://doi.org/10.25656/01:17780
  • Neumann, P., Bunte, C. & Melzer, C. (2026). Zwischen Förderkonzept und Vorschrift – Eine empirische Studie zur Praxis der Förderplanung an Schulen in Nordrhein-Westfalen. Zeitschrift für Heilpädagogik, 77(2), 61–74. https://ris.uni-paderborn.de/download/64189/64190/zfh_02.2026_neumann.pdf
  • Ruble, L. A., McGrew, J., Dalrymple, N. & Jung, L. A. (2010). Examining the quality of IEPs for young children with autism. Journal of Autism and Developmental Disorders, 40(12), 1459–1470. https://doi.org/10.1007/s10803-010-1003-1
  • Stecker, P. M., Fuchs, L. S. & Fuchs, D. (2005). Using curriculum-based measurement to improve student achievement: Review of research. Psychology in the Schools, 42(8), 795–819. https://doi.org/10.1002/pits.20113

Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu

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