Kurz gesagt: Wenn zwei Kinder abwechselnd ihre Teams wählen, entsteht vor der ganzen Klasse eine Rangliste, und am Ende steht immer jemand allein. Erwachsene, die damals zuletzt gewählt wurden, berichten in Befragungen häufiger von weniger Bewegung im späteren Leben. Fairer und schneller sind Zufall, Abzählen oder Teams, die die Lehrkraft vorher festlegt.

Eine Szene, die viele kennen (hier ausgedacht, aber nicht weit hergeholt): Sporthalle, dritte Stunde. Zwei Kinder dürfen wählen. Die ersten Namen fallen schnell, die besten Fußballerinnen, die besten Freunde. Dann wird es leiser. Am Ende stehen noch zwei Kinder an der Wand, und eines davon wird nicht gewählt, sondern „übrig gelassen“. Es geht zu seinem Team, und alle haben gesehen, in welcher Reihenfolge es ging.

Die Methode hält sich, weil sie einfach ist: keine Vorbereitung, keine Diskussion, nach zwei Minuten kann es losgehen. Den Preis dafür zahlen meist dieselben Kinder.

Was passiert eigentlich, wenn Kinder Teams wählen?

Wer wählt, entscheidet nach Leistung, Freundschaft oder Beliebtheit, und er tut es öffentlich. Aus einer Gruppe von Kindern wird für ein paar Minuten eine Rangliste, die jeder mitlesen kann. Die Kinder am Ende der Liste wissen das meist schon vorher.

Genau das beschreiben Jugendliche in einer Studie aus dem Sportunterricht. Barney und Kollegen (2016) verglichen bei 233 Jungen der Mittelstufe zwei Verfahren: öffentliches Wählen durch Kapitäne und eine verdeckte Wahl, bei der niemand die Reihenfolge sieht. In den Fragebögen zur Motivation fanden sie keinen messbaren Unterschied. In den Interviews aber zeigte sich, nach welchen Motiven gewählt wurde, wie Kinder über Können denken und dass viele Mitgefühl mit den Mitschülern hatten, die das öffentliche Wählen trifft. Die Forschenden raten deshalb davon ab.

Grafik: Teams wählen als Rangliste. Zwölf leere Namenskarten in der Reihenfolge, in der sie gewählt werden, von 1 bis 12. Die Karte mit der Nummer 12 steht abseits. Darunter: Die Reihenfolge sehen alle.

Was sagt die Forschung über das Zuletzt-gewählt-Werden?

Direkt untersucht ist das Thema vor allem in Rückblick-Befragungen von Erwachsenen. Die Befunde gehen in dieselbe Richtung:

  • Weniger Bewegung später. In einer Befragung von 293 Studierenden zu ihren Erfahrungen in Schulsport und Sport berichteten diejenigen, die als Letzte gewählt worden waren, von deutlich weniger körperlicher Aktivität im späteren Leben. Die Autoren erinnern daran, dass Fachverbände das Wählen durch Kapitäne schon lange als ungeeignete Unterrichtspraxis einstufen (Cardinal et al., 2013).
  • Auch in Deutschland. Bei 692 Erwachsenen hing die Erinnerung, als Letzte oder Letzter gewählt worden zu sein, mit weniger Bewegung im Erwachsenenalter zusammen. Als verbindendes Glied erwies sich die erinnerte Freude am Sportunterricht: Wer ihn in guter Erinnerung hatte, bewegte sich heute mehr und saß weniger (Limmeroth et al., 2026).
  • Was in Erinnerung bleibt. In einer Befragung von 1.028 Erwachsenen in den USA drehte sich gut ein Drittel der schlimmsten Erinnerungen an den Sportunterricht um Peinlichkeit vor anderen, 17 Prozent um Mobbing. Wer den Sportunterricht in guter Erinnerung hatte, stand Bewegung auch heute positiver gegenüber (Ladwig et al., 2018).

Ehrlich dazu: Diese Studien zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Die Effekte sind klein, und Erinnerungen sind nicht dasselbe wie das, was damals passiert ist. Vielleicht wurden Kinder, die sich ohnehin wenig bewegten, eher zuletzt gewählt. Dass ein Verfahren, das zuverlässig ein Kind bloßstellt, ohne Not weiter benutzt wird, lässt sich mit diesen Zahlen trotzdem schwer begründen.

Warum tut das so weh?

Weil es eine Form von Ausgrenzung ist, und darauf reagieren Menschen empfindlich. Eine Übersichtsarbeit zur sozialen Ausgrenzung beschreibt, dass schon kurzes Ignoriert- oder Ausgeschlossenwerden Traurigkeit und Ärger auslöst und Grundbedürfnisse wie Zugehörigkeit und Selbstwert bedroht. Wer das immer wieder erlebt, dem gehen auf Dauer die Kräfte aus, damit umzugehen (Williams, 2007).

In einem bekannten Experiment spielten Erwachsene am Bildschirm ein einfaches Ballspiel, bei dem sie irgendwann keinen Ball mehr bekamen. Dabei war eine Hirnregion aktiver, die auch bei körperlichem Schmerz beteiligt ist, und zwar umso stärker, je mehr Kummer die Personen angaben (Eisenberger et al., 2003). Ein Ballspiel am Computer ist keine Sporthalle. Aber es zeigt, dass „nur nicht mitspielen dürfen“ nicht harmlos ist.

Ist Wählen-Lassen nicht auch Mitbestimmung?

Ein häufiges Argument: Kinder sollen lernen, Entscheidungen zu treffen. Das stimmt, nur eignet sich diese Entscheidung schlecht dafür. Die wählenden Kinder stehen selbst unter Druck, weil jede Wahl öffentlich ist. Wer ein schwächeres Kind früh nimmt, riskiert Spott, wer es spät nimmt, verletzt es.

Mitbestimmung gelingt besser dort, wo niemand bewertet wird: beim Spiel, bei den Regeln, bei der Frage, wer anfängt. Die Forschung zum kooperativen Lernen, mit über 1.200 Studien eine der am besten untersuchten Unterrichtsformen, beschreibt das Strukturieren von Gruppenarbeit ausdrücklich als Aufgabe der Lehrkraft (Johnson & Johnson, 2009).

Was Sie tun können

Alle Wege dauern nicht länger als das Wählen, die meisten sind schneller.

  1. Abzählen. „Eins, zwei, drei, vier“ reihum, alle Einsen bilden ein Team. Tipp: Lassen Sie die Kinder vorher bunt durcheinander gehen, sonst landen Sitznachbarn zuverlässig zusammen.
  2. Ziehen. Spielkarten, farbige Wäscheklammern oder Eisstiele mit Namen. Gleiche Farbe, gleiches Team. Das ist sichtbar zufällig, und niemand kann sich beschweren.
  3. Nach Merkmalen. Geburtsmonat, Schuhfarbe, Lieblingsjahreszeit. Das bringt Kinder zusammen, die sonst selten miteinander spielen.
  4. Vorher festlegen. Bei Spielen, in denen ausgeglichene Teams wichtig sind, bilden Sie die Teams vor der Stunde selbst. Ihr Wissen über Stärken bleibt dabei bei Ihnen und muss nicht vor der Klasse verhandelt werden.
  5. Verdeckt wählen. Wenn Kinder unbedingt mitentscheiden sollen, dann ohne Publikum: Die Kapitäne wählen an der Seite, die Teams werden danach gemeinsam verkündet (wie in der verdeckten Variante bei Barney et al., 2016).
  6. Nach dem Spiel neu mischen. Wer heute verloren hat, ist morgen in einem anderen Team. Das nimmt dem Ergebnis die Schwere.

Und wenn es einmal nicht passt: Tauschen Sie zwei Kinder einfach, ohne großes Aufheben. Das Verfahren dient Ihnen, nicht umgekehrt.

Grafik: Vier faire Wege, Teams zu bilden. Abzählen (1, 2, 3, 4 reihum), Ziehen (gleiche Farbe, gleiches Team), nach Merkmalen (zum Beispiel Geburtsmonat), vorher festlegen (Lehrkraft plant die Teams).

Warum uns das beschäftigt

Wir arbeiten gerade an einem kleinen Werkzeug für Lehrkräfte, Trainer und Eltern, das bei genau diesem Moment helfen soll: Teams bilden, schnell und so, dass niemand vor der Gruppe eingeordnet wird. Mehr dazu, wenn es so weit ist. Bis dahin funktionieren die Wege oben auch mit einem Kartenspiel.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter ist Teams-Wählen problematisch? Dazu gibt es keine klare Altersgrenze in der Forschung. Die Befragungen beziehen sich auf Erinnerungen an die gesamte Schulzeit. Wir würden es in jedem Alter vermeiden, wenn andere Verfahren genauso schnell sind.

Sind zufällige Teams nicht oft unausgeglichen? Manchmal. Bei Spielen, in denen das zählt, hilft es, die Teams vorher festzulegen oder nach dem Zufall zwei Kinder zu tauschen. Ausgleichen ist Ihre Aufgabe, nicht die der Kinder.

Und wenn Kinder mit ihren Freunden spielen wollen? Das ist verständlich und darf in der Pause auch so sein. Im Unterricht lohnt es sich, Gruppen regelmäßig neu zu mischen, damit Kinder mit verschiedenen Mitschülern zusammenarbeiten.

Gilt das nur für den Sportunterricht? Nein. Auch bei Gruppenarbeiten, Referaten oder im Verein wird gewählt. Die Studien stammen zwar aus dem Sport, das Prinzip, dass öffentliches Auswählen eine Rangfolge sichtbar macht, gilt aber überall.

Quellen

  • Barney, D., Prusak, K. A., Beddoes, Z. & Eggett, D. (2016). Picking teams: Motivational effects of team selection strategies in physical education. The Physical Educator, 73(2). https://doi.org/10.18666/TPE-2016-V73-I2-6212
  • Cardinal, B. J., Yan, Z. & Cardinal, M. K. (2013). Negative experiences in physical education and sport: How much do they affect physical activity participation later in life? Journal of Physical Education, Recreation & Dance, 84(3), 49–53. https://doi.org/10.1080/07303084.2013.767736
  • Eisenberger, N. I., Lieberman, M. D. & Williams, K. D. (2003). Does rejection hurt? An fMRI study of social exclusion. Science, 302(5643), 290–292. https://doi.org/10.1126/science.1089134
  • Johnson, D. W. & Johnson, R. T. (2009). An educational psychology success story: Social interdependence theory and cooperative learning. Educational Researcher, 38(5), 365–379. https://doi.org/10.3102/0013189X09339057
  • Ladwig, M. A., Vazou, S. & Ekkekakis, P. (2018). “My best memory is when I was done with it”: PE memories are associated with adult sedentary behavior. Translational Journal of the American College of Sports Medicine, 3(16), 119–129. https://doi.org/10.1249/TJX.0000000000000067
  • Limmeroth, J., Leisterer-Härtig, S., Hagemann, N. & Ladwig, M. A. (2026). Last in line, lasting in mind? A retrospective investigation of the relationship between physical education experiences and adult physical activity. Journal of Sport & Exercise Psychology, 48(1), 46–54. https://doi.org/10.1123/jsep.2025-0008
  • Williams, K. D. (2007). Ostracism. Annual Review of Psychology, 58, 425–452. https://doi.org/10.1146/annurev.psych.58.110405.085641

Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu

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