Kurz gesagt: Schichtarbeit kostet oft Schlaf, und Schlafmangel erschwert das Lernen, vor allem das Aufnehmen von Neuem. Wer im Schichtdienst Pflegedeutsch lernt, fährt deshalb meist besser mit kurzen Einheiten von zehn bis fünfzehn Minuten, verteilt über die Woche: Neues lernen, wenn man ausgeschlafen ist, und Bekanntes aus dem Gedächtnis abrufen, wenn man müde ist.
Eine erfundene, aber typische Woche: zwei Frühdienste, zwei Spätdienste, zwei Nächte, dann frei. Der Deutschkurs am Dienstagabend fällt in den Spätdienst, das Lehrbuch liegt seit Tagen unter der Dienstkleidung. Am freien Sonntag soll alles nachgeholt werden, und nach einer Stunde ist der Kopf voll und wenig hängen geblieben.
Viele international ausgebildete Pflegekräfte lernen Deutsch neben der Arbeit, mitten in den ersten Wochen auf Station und oft neben der Vorbereitung auf eine Prüfung. Dieser Beitrag fasst zusammen, was die Forschung über Schlaf, Gedächtnis und Lernpausen sagt, und was das für die Lernzeit im Schichtdienst bedeutet. Er ist keine Gesundheitsberatung. Fragen zu Schlaf und Schichtplanung gehören zu Betriebsärztin, Hausarzt oder Personalvertretung.
Was macht Schichtdienst mit dem Lernen?
Eine große Übersicht über Metaanalysen und systematische Reviews kommt zu dem Schluss, dass Schichtarbeit den Schlaf vor allem rund um Nacht- und Frühdienste verkürzt. Laborstudien zeigen außerdem, dass sowohl Schichtarbeit als auch Schlafmangel die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen (Kecklund & Axelsson, 2016).
Für das Lernen ist das wichtig, weil Schlaf beim Behalten eine aktive Rolle spielt. Eine Metaanalyse hat Studien zu mindestens einer ganzen durchwachten Nacht ausgewertet. Schlafmangel vor dem Lernen hatte einen deutlichen negativen Effekt darauf, wie gut Neues aufgenommen wurde. Schlafmangel nach dem Lernen schadete dem Behalten ebenfalls, aber schwächer (Newbury et al., 2021). Das Forschungsteam weist allerdings darauf hin, dass viele der einbezogenen Studien klein waren und die genauen Effektgrößen deshalb unsicher sind.
Für den Alltag heißt das vorsichtig formuliert: Wer nach einer langen Nacht neue Vokabeln lernt, arbeitet gegen sich selbst. Müde Zeiten eignen sich besser für Wiederholung.
Warum sind kurze, verteilte Einheiten besser?
Dass verteiltes Lernen besser im Gedächtnis bleibt als geballtes Lernen, gehört zu den stabilsten Befunden der Lernforschung. In einer Studie mit über 1.350 Teilnehmenden wurde der Abstand zwischen erstem Lernen und Wiederholung systematisch verändert. Der beste Abstand hing davon ab, wie lange man sich etwas merken will. Wer etwas eine Woche behalten will, wiederholt am besten nach etwa einem bis drei Tagen (Cepeda et al., 2008).
Zwei weitere Befunde passen gut zum Schichtdienst:
- Schlaf zwischen zwei Lerneinheiten. In einem Experiment lernten 40 Teilnehmende fremdsprachige Vokabeln und wiederholten sie zwölf Stunden später. Wer dazwischen geschlafen hatte, brauchte beim Wiederholen nur etwa halb so viel Übung und behielt die Wörter langfristig deutlich besser (getestet nach einer Woche und nach sechs Monaten) als die Gruppe, die am selben Tag wiederholt hatte (Mazza et al., 2016).
- Abrufen statt nochmal lesen. Wer Gelerntes aus dem Gedächtnis hervorholt, behält es länger, als wer es noch einmal liest, auch wenn sich das Wiederlesen sicherer anfühlt (Roediger & Karpicke, 2006).
Und Microlearning? Eine Übersichtsarbeit zu kurzen Lerneinheiten in Gesundheitsberufen fand in den meisten Studien Einheiten unter 15 Minuten und berichtete positive Effekte auf Wissen und Sicherheit. Die Studien maßen aber fast nur Zufriedenheit und Wissenszuwachs, kaum Veränderungen im Arbeitsalltag (De Gagne et al., 2019). Kurze Einheiten sind also kein Wundermittel, aber sie passen in einen Alltag, in dem lange Lernblöcke selten sind.
Wie sieht das in einer Schichtwoche aus?

Die Grafik zeigt einen möglichen Plan, keinen festen. Drei Regeln stecken darin:
- Neues, wenn Sie ausgeschlafen sind. Nach dem Frühdienst am Nachmittag, vor dem Spätdienst am Vormittag. Nicht am Morgen nach der Nacht.
- Abrufen, wenn Sie müde sind. Fünf Minuten reichen: Wort abdecken, Artikel und Satz aus dem Kopf sagen, dann prüfen.
- Eine Nacht dazwischen. Was Sie heute neu lernen, rufen Sie morgen oder übermorgen wieder ab.
Was Sie tun können
- Kleine Portionen. Fünf bis acht neue Begriffe pro Einheit, nicht dreißig. Lieber eine Kategorie in mehreren Tagen als alles am Sonntag.
- Feste Anker statt fester Uhrzeit. Im Schichtdienst gibt es keine feste Lernzeit. Koppeln Sie das Lernen an etwas, das es immer gibt: nach dem Heimkommen, vor dem Losgehen, in der Bahn.
- Abdecken und sagen. Decken Sie Wort oder Satz ab und sprechen Sie ihn aus dem Kopf, bevor Sie nachsehen. Das ist anstrengender als Lesen und genau deshalb wirksam (Roediger & Karpicke, 2006).
- Station als Wiederholung. Wenn Sie ein Wort, das Sie gelernt haben, im Dienst hören oder sagen, etwa in der Übergabe, ist das die beste Wiederholung. Notieren Sie abends kurz, welche Wörter Ihnen begegnet sind.
- Freie Tage nicht überladen. Am freien Tag lieber zweimal 15 Minuten als drei Stunden am Stück.
- Ehrlich mit sich sein. Nach einer anstrengenden Nacht ist Schlafen wichtiger als Vokabeln. Eine ausgelassene Einheit ist kein Rückschritt.
Wie PflegeMate dabei helfen kann
PflegeMate ist für kurze Einheiten gebaut. Die Begriffe sind in Kategorien sortiert, sodass Sie sich eine kleine Portion vornehmen können, etwa fünf Wörter aus „Mobilisation & Lagerung“. Die App funktioniert offline, auch in der Pause im Dienstzimmer. Seit dem Update im März lassen sich alle Begriffe und Beispielsätze anhören, und das Sprechtempo ist einstellbar. Schwierige Wörter können Sie als Favoriten markieren und so gezielt wiederholen.
Was die App nicht tut: Sie fragt Sie nicht ab und plant keine Wiederholungen. Das Abdecken und Aus-dem-Kopf-Sagen machen Sie selbst. PflegeMate ist eine reine Sprachlernhilfe und ersetzt keinen Sprachkurs. Mehr auf der Seite zu PflegeMate.
Häufige Fragen
Wann lernt man im Schichtdienst am besten? Neues, wenn Sie ausgeschlafen sind, Wiederholung auch in müderen Momenten. Wichtiger als die Uhrzeit sind kurze, regelmäßige Einheiten.
Kann man nach dem Nachtdienst noch lernen? Kurz wiederholen geht. Neues aufzunehmen fällt nach Schlafmangel nachweislich schwerer (Newbury et al., 2021). Schlaf hat Vorrang.
Wie viele Wörter sollte ich pro Tag lernen? Dazu gibt es keine feste Zahl aus der Forschung. Fünf bis acht neue Begriffe pro Einheit, die Sie am nächsten oder übernächsten Tag wieder abrufen, sind ein guter Anfang.
Ist Microlearning wirklich wirksam? Kurze Einheiten zeigen in Gesundheitsberufen positive Effekte auf Wissen, die Studienlage zu langfristigen Effekten ist aber noch dünn (De Gagne et al., 2019).
Quellen
- Cepeda, N. J., Vul, E., Rohrer, D., Wixted, J. T. & Pashler, H. (2008). Spacing effects in learning: A temporal ridgeline of optimal retention. Psychological Science, 19(11), 1095–1102. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2008.02209.x
- De Gagne, J. C., Park, H. K., Hall, K., Woodward, A., Yamane, S. & Kim, S. S. (2019). Microlearning in health professions education: Scoping review. JMIR Medical Education, 5(2), e13997. https://doi.org/10.2196/13997
- Kecklund, G. & Axelsson, J. (2016). Health consequences of shift work and insufficient sleep. BMJ, 355, i5210. https://doi.org/10.1136/bmj.i5210
- Mazza, S., Gerbier, E., Gustin, M.-P., Kasikci, Z., Koenig, O., Toppino, T. C. & Magnin, M. (2016). Relearn faster and retain longer: Along with practice, sleep makes perfect. Psychological Science, 27(10), 1321–1330. https://doi.org/10.1177/0956797616659930
- Newbury, C. R., Crowley, R., Rastle, K. & Tamminen, J. (2021). Sleep deprivation and memory: Meta-analytic reviews of studies on sleep deprivation before and after learning. Psychological Bulletin, 147(11), 1215–1240. https://doi.org/10.1037/bul0000348
- Roediger, H. L. & Karpicke, J. D. (2006). Test-enhanced learning: Taking memory tests improves long-term retention. Psychological Science, 17(3), 249–255. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2006.01693.x
Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu
