Kurz gesagt: Die meisten ausländischen Pflegekräfte in Deutschland kommen aus Polen, Bosnien und Herzegowina, der Türkei, Rumänien und Kroatien. Am schnellsten wächst aber die Zahl der Pflegekräfte aus Ländern außerhalb der EU, etwa von den Philippinen, aus Indien, Tunesien oder Vietnam. Sie kommen vor allem wegen Bezahlung, Berufsperspektiven und Arbeitsbedingungen und beginnen oft unterhalb ihrer Qualifikation, bis ihr Abschluss anerkannt ist.

In einem Stationsteam in einer deutschen Großstadt können heute leicht fünf oder sechs Herkunftsländer zusammenkommen: die Kollegin aus Kraków, die seit fünfzehn Jahren hier ist, der Kollege aus Sarajevo, zwei Neue aus Manila, eine Auszubildende aus Hanoi. Das ist kein erfundener Sonderfall, sondern das Bild, das die Statistik zeichnet.

In unserem ersten Beitrag ging es darum, was internationale Pflegekräfte in den ersten Wochen auf Station erleben. Dort stand eine Zahl: 18 Prozent der Beschäftigten in Pflegeberufen haben eine ausländische Staatsangehörigkeit, und allein von Juni 2023 bis Juni 2024 kamen 27.000 hinzu. Heute schauen wir genauer hin: Wer sind diese Menschen, woher kommen sie und warum?

Wie hat sich die Zahl ausländischer Pflegekräfte entwickelt?

Der Anstieg ist steil. Im Jahr 2014 hatten 6 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Pflegeberufen eine ausländische Staatsangehörigkeit, im Juni 2024 waren es 18 Prozent. Das sind 222.000 Menschen mehr, insgesamt 307.000 (Bundesagentur für Arbeit, 2025).

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat die zehn Jahre bis 2023 genauer ausgewertet. In der Krankenpflege stieg der Anteil ausländischer Beschäftigter von 4,9 auf 14,5 Prozent. Und: Inzwischen kommen mehr ausländische Pflegekräfte aus Ländern außerhalb der EU (177.000) als aus der EU (94.000) (Carstensen et al., 2024).

Eine wichtige Einschränkung gilt für alle diese Zahlen: Sie zählen Staatsangehörigkeiten, keine Lebenswege. Wer einen ausländischen Pass hat, kann gezielt angeworben, als Kind nach Deutschland gekommen oder geflüchtet sein. Die Statistik zeigt nicht, warum jemand hier ist (Carstensen et al., 2024).

Aus welchen Ländern kommen Pflegekräfte nach Deutschland?

Die fünf größten Gruppen sind seit zehn Jahren dieselben: Pflegekräfte aus Polen, Bosnien und Herzegowina, der Türkei, Rumänien und Kroatien. Am stärksten gewachsen ist die Zahl der Beschäftigten aus Bosnien und Herzegowina, gefolgt von Rumänien und den Philippinen. Von den Philippinen arbeiteten im Juni 2014 weniger als 1.000 Pflegekräfte in Deutschland, zuletzt waren es 14.000 (Bundesagentur für Arbeit, 2025).

Wie bunt das Bild in der Krankenpflege ist, zeigt die Auswertung des IAB für Juni 2023:

Grafik: Häufigste Staatsangehörigkeiten ausländischer Beschäftigter in der Krankenpflege, Juni 2023. Drittstaaten: Bosnien und Herzegowina 11.328, Philippinen 9.426, Türkei 9.099, Serbien 8.378. EU: Polen 9.696, Kroatien 8.682, Rumänien 7.978, Italien 4.341.

Dahinter folgen Albanien, Indien, Syrien, die Ukraine, Tunesien und Vietnam. In der Altenpflege sieht die Reihenfolge anders aus: Dort stehen Polen, Rumänien, die Türkei und Bosnien und Herzegowina vorn, und Vietnam ist mit rund 4.200 Beschäftigten die drittgrößte Gruppe aus Drittstaaten (Carstensen et al., 2024).

Welche Wege führen in die deutsche Pflege?

Die Herkunftsländer spiegeln die Wege, die Deutschland geöffnet hat:

  • Freizügigkeit in der EU. Die Zahl der Pflegekräfte aus der EU ist in zehn Jahren um 51.000 auf 97.000 gestiegen.
  • Westbalkanregelung. Für Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien wurden die Hürden gesenkt. Die Zahl der Pflegekräfte von dort hat sich seit 2015 auf 51.000 fast verfünffacht.
  • Gezielte Anwerbung. Über das Programm „Triple Win“ von Bundesagentur und GIZ werden Pflegekräfte unter anderem aus den Philippinen, Tunesien, Indonesien, Indien (Kerala) und Jordanien vermittelt. Die Zahl der Beschäftigten mit diesen Staatsangehörigkeiten stieg von knapp 5.000 auf knapp 52.000.
  • Flucht. Aus den acht zuzugsstärksten Asylherkunftsländern arbeiten 27.000 Menschen in der Pflege, vor 2015 waren es weniger als 2.000. Aus der Ukraine waren es vor Kriegsbeginn knapp 5.000, im September 2024 12.000.

(Alle Zahlen: Bundesagentur für Arbeit, 2025.)

Auch die Anerkennungsstatistik zeigt die Richtung. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland 65.300 ausländische Berufsabschlüsse anerkannt, davon 27.300 in der Pflege, also 42 Prozent aller Anerkennungen. Über alle Berufe hinweg kamen die meisten anerkannten Abschlüsse aus der Türkei, Bosnien und Herzegowina, den Philippinen und Tunesien (Statistisches Bundesamt, 2024).

Warum entscheiden sich Pflegekräfte für Deutschland?

Für Deutschland allein gibt es dazu kaum große Studien. Eine Übersichtsarbeit über 107 Studien aus fünf Jahrzehnten, mehr als die Hälfte davon über Pflegekräfte, zeigt aber sehr stabile Gründe, warum Gesundheits- fachkräfte aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auswandern (Toyin-Thomas et al., 2023):

Grafik: Gründe für Migration von Gesundheitsfachkräften, Anteil der Studien, die den Grund nennen: Bezahlung 83 %, Berufsperspektiven 81 %, gutes Arbeitsumfeld 64 %, Sicherheit 59 %, Zufriedenheit im Beruf 58 %. Übersicht über 107 Studien.

Wichtig beim Lesen: Die Prozentzahlen geben an, in wie vielen Studien ein Grund vorkommt, nicht wie viele Pflegekräfte ihn nennen. Und die Gründe sind laut den Autorinnen und Autoren über Jahrzehnte und Regionen hinweg erstaunlich gleich geblieben.

Hinzu kommt ein globaler Rahmen: Weltweit ist jede siebte Pflegekraft im Ausland geboren, in Ländern mit hohem Einkommen sind es 23 Prozent (World Health Organization, 2025). Deutschland wirbt also in einem Markt, in dem viele reiche Länder dieselben Fachkräfte suchen.

Was erwartet internationale Pflegekräfte in Deutschland?

Oft ein Einstieg unterhalb der eigenen Qualifikation. Unter den deutschen Beschäftigten in der Pflege arbeiten fast zwei Drittel als Fachkraft, unter den ausländischen gut die Hälfte. Bei Pflegekräften aus den Triple-Win-Ländern sind es sechs von zehn, aus den Asylherkunftsländern etwa vier von zehn (Bundesagentur für Arbeit, 2025). Bis zur vollen Anerkennung arbeiten viele als Pflegehilfskraft (Carstensen et al., 2024). Wie dieser Weg aussieht, haben wir im Beitrag über Anerkennung, Sprachniveau und Fachsprache beschrieben.

Eine Übersichtsarbeit zu Pflegemigration nach Australien, Deutschland und Großbritannien fasst die Lage so zusammen: Diskriminierung wird häufig berichtet, Sprache und Kommunikation sind zentral, und strukturierte Integrationsprogramme werden von Pflegekräften und Arbeitgebern geschätzt (Smith et al., 2022).

Wie sich das anfühlt, zeigt eine kleine Interviewstudie mit akademisch ausgebildeten Pflegekräften von den Philippinen. Sie erleben in Deutschland einen Kompetenzverlust und fühlen sich in ihrer Rolle als Pflegekraft fremd. Viele reagieren mit Weiterbildungen oder wechseln in technikintensive Versorgungsbereiche (Zwergel et al., 2024). Die Studie hat nur acht Teilnehmende, aber sie passt zu dem, was größere Übersichten beschreiben.

Was Sie tun können

Wenn Sie internationale Kolleginnen und Kollegen einarbeiten:

  1. Fragen Sie nicht nur „Woher kommst du?“, sondern „Wie war Pflege dort organisiert?“. Wer auf den Philippinen studiert oder in Bosnien zehn Jahre gearbeitet hat, bringt ein anderes Berufsbild mit.
  2. Rechnen Sie mit unterschiedlichen Ausgangslagen im selben Team: Eine angeworbene Fachkraft, eine Geflüchtete in der Helferausbildung und eine Kollegin aus der EU brauchen nicht dasselbe.
  3. Sprechen Sie offen über die Zeit bis zur Anerkennung und darüber, welche Aufgaben in dieser Zeit möglich sind.

Wenn Sie selbst überlegen, nach Deutschland zu gehen:

  1. Fragen Sie Ihren künftigen Arbeitgeber konkret, wie Einarbeitung und Begleitung bis zur Anerkennung aussehen.
  2. Suchen Sie Kontakt zu Menschen aus Ihrem Land, die schon hier arbeiten. Sie wissen, was in keinem Prospekt steht.
  3. Beginnen Sie früh mit den Wörtern des Stationsalltags, nicht erst mit der Prüfung.

Warum uns dieses Thema beschäftigt

Hinter jeder Zahl in diesem Beitrag steht eine Erstsprache: Polnisch, Bosnisch, Türkisch, Rumänisch, Tagalog, Malayalam, Arabisch, Vietnamesisch, Ukrainisch. Wer überlegt, wie man Pflegekräften beim Deutschlernen helfen kann, muss diese Vielfalt mitdenken. Eine Erklärung, die nur auf Deutsch funktioniert, erreicht viele genau dann nicht, wenn sie sie am meisten brauchen. Das ist einer der Gedanken, die uns gerade beschäftigen. Im nächsten Beitrag geht es um die Frage, warum ein B2-Zertifikat auf Station oft nicht reicht.

Häufige Fragen

Aus welchen Ländern kommen die meisten Pflegekräfte nach Deutschland? Nach Staatsangehörigkeit gezählt aus Polen, Bosnien und Herzegowina, der Türkei, Rumänien und Kroatien. Stark wachsend sind unter anderem die Philippinen, Indien, Tunesien und Vietnam (Bundesagentur für Arbeit, 2025; Carstensen et al., 2024).

Wie viele Pflegekräfte aus dem Ausland arbeiten in Deutschland? Im Juni 2024 hatten 307.000 Beschäftigte in Pflegeberufen eine ausländische Staatsangehörigkeit, das sind 18 Prozent (Bundesagentur für Arbeit, 2025).

Warum kommen Pflegekräfte nach Deutschland? In der Forschung werden vor allem Bezahlung, Berufsperspektiven, ein gutes Arbeitsumfeld, Sicherheit und Zufriedenheit im Beruf genannt (Toyin-Thomas et al., 2023). Für Deutschland gibt es dazu bisher vor allem kleine Interviewstudien.

Arbeiten ausländische Pflegefachkräfte sofort als Fachkraft? Oft nicht. Bis zur Anerkennung arbeiten viele als Pflegehilfskraft (Carstensen et al., 2024). Verbindlich für den eigenen Fall ist die zuständige Anerkennungsstelle.

Quellen

Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu

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