Kurz gesagt: Zahlzerlegung ist ab heute im App Store, für iPhone und iPad. Die App übt mit Kindern von etwa 5 bis 7 Jahren die Zerlegungen der Zahlen bis 10: ein Ganzes, zwei Teile, ein Teil fehlt. Sie hat keine Werbung, kein Abo und keine Sounds, braucht kein Internet und ist nur auf Deutsch verfügbar.

In den letzten Wochen haben wir hier erklärt, warum Zahlzerlegung der Schlüssel zum Rechnen ist und was das Zahlenhaus damit zu tun hat. Heute ist die App, an der wir dabei gearbeitet haben, im App Store erschienen. In diesem Beitrag beschreiben wir nüchtern, was sie kann und was nicht.

Was übt die App?

Zahlzerlegung übt genau eine Sache: die wichtigsten Zerlegungen der Zahlen von 3 bis 10, ohne Null und ohne doppelte Tauschaufgaben. Ziel ist, dass Kinder sie nach und nach abrufen können, statt sie abzuzählen.

Jede Aufgabe hat dieselbe Form, die aus dem Zahlenhaus bekannt ist: Oben steht das Ganze, darunter die zwei Teile, verbunden durch zwei Striche. Ein Teil fehlt. Das Kind zieht die passende Zahl aus der Leiste am unteren Rand in das leere Feld. Lesen muss es dafür nicht.

Screenshot der App Zahlzerlegung: Oben das Ganze 10, darunter die Teile 6 und ein leeres Feld mit Fragezeichen. Jede Zahl zeigt auch ein Würfelbild. Unten die Zahlen 1 bis 10 zum Hineinziehen, links oben das Tangram-Tier des Kindes mit dem Zeitring.

Jede Zahl erscheint als Ziffer und als Mengenbild. Fünf Mengenbilder stehen zur Wahl, darunter Würfel, Finger, Striche und Punkte. Damit bleibt die Menge hinter der Zahl sichtbar. Das ist uns wichtig, weil Teil-Ganzes-Verständnis nicht aus Ziffern allein entsteht (Marx et al., 2025).

Wie funktioniert das Üben?

Grafik: So läuft eine Aufgabe ab – das Ganze und einen Teil sehen, die fehlende Zahl hineinziehen, Rückmeldung bekommen, die Lernkartei merkt sich, was noch geübt werden muss.

Rückmeldung. Ist die Antwort richtig, bekommt das Feld einen grünen Rahmen. Ist sie falsch, wird das Feld markiert, und nach einem kurzen Moment erscheint die richtige Zahl mit grünem Rahmen, damit das Kind die passende Zerlegung sieht.

Lernkartei. Im Hintergrund arbeitet ein Lernkartei-System mit vier Fächern. Neue und unsichere Zerlegungen kommen häufiger, gut gewusste seltener. Wird eine Zerlegung falsch beantwortet, beginnt sie wieder von vorn. Ein kleiner Stern über der Aufgabe zeigt, in welchem Fach sie gerade liegt.

Zeitring. Um das Tier des Kindes läuft ein Ring fünf Sekunden lang ab. Er unterscheidet, ob eine Zerlegung schon abgerufen oder noch ausgerechnet wird. Er beendet aber keine Aufgabe: Ist er abgelaufen, kann das Kind in Ruhe weiterüberlegen. Warum wir das so gelöst haben, erklären wir in einem eigenen Beitrag.

Fortschritt. Jedes Kind wählt ein Tangram-Tier: Panda, Delfin, Hund oder Katze. Bis zu vier Kinder können so auf einem Gerät üben, jedes mit eigenem Lernstand. Wenn alle Zerlegungen einer Zahl von 4 bis 10 sicher sitzen, färbt sich ein Teil des Tiers ein. Ab und zu gibt es einen Sticker, und wer alle Zahlen geschafft hat, bekommt eine Urkunde.

Screenshot des Startbildschirms: vier graue Tangram-Tiere – Panda, Delfin, Hund und Katze –, deren Teile mit den Zahlen 4 bis 10 beschriftet sind, daneben die Auswahl der Farbschemata.

Was die App bewusst nicht tut

  • Keine Werbung, kein Abo, keine In-App-Käufe. In einer Untersuchung von 135 beliebten Apps für Kinder bis fünf Jahre enthielten 95 % eine Form von Werbung, und „pädagogische“ Apps waren davon kaum weniger betroffen (Meyer et al., 2019). Das wollten wir von Anfang an ausschließen.
  • Keine Sounds. Die App ist rein visuell. Sie lässt sich im Klassenraum oder im Wartezimmer nutzen, ohne jemanden zu stören.
  • Kein Internet, kein Konto. Die App stellt keine Netzwerkanfragen, alle Lernstände bleiben auf dem Gerät.
  • Kein Zeitdruck, der etwas wegnimmt. Der Ring misst, aber er bestraft nicht.
  • Kein Ersatz für Material und Gespräch. Zerlegungen zuerst mit Knöpfen, Fingern und Schüttelbox zu entdecken, bleibt wichtig. Die App übernimmt das regelmäßige Üben danach.

Für wen ist die App gedacht?

Für Kinder von etwa 5 bis 7 Jahren, also im letzten Kindergartenjahr und in der ersten Klasse. Ob sie auch für ältere Kinder passt, die noch viel zählend rechnen, entscheiden Eltern und Lehrkräfte am besten im Einzelfall; die Gestaltung ist bewusst ruhig und nicht verspielt.

Eltern und Lehrkräften sagen wir offen: Die App fördert eine Grundlage. Sie ersetzt keine Diagnostik und keine Lerntherapie. Gute Lern-Apps unterstützen aktives, engagiertes, bedeutungsvolles und sozial eingebundenes Lernen mit einem klaren Ziel (Hirsh-Pasek et al., 2015). Den sozialen Teil kann eine App nur schwer leisten, deshalb lohnt es sich, ab und zu danebenzusitzen und nachzufragen.

Was Sie tun können

Auch mit App bleiben Gespräche das Wertvollste:

  1. Fragen Sie nach dem Weg. „Woher wusstest du die 4?“ zeigt, ob ein Kind abruft, ableitet oder zählt.
  2. Übertragen Sie in die echte Welt. Was in der App 10 = 6 + 4 war, sind beim Tischdecken 10 Gabeln, 6 liegen schon.
  3. Kurz und regelmäßig. Ein paar Minuten am Tag helfen mehr als eine lange Sitzung pro Woche.
  4. Mengenbild wechseln. Wenn ein Kind die Würfelbilder sicher kennt, probieren Sie Finger oder Striche. So bleibt die Menge im Blick.

Häufige Fragen

Gibt es die App auf Englisch oder in anderen Sprachen? Nein, die App ist nur auf Deutsch verfügbar. Sie kommt allerdings mit sehr wenig Text aus.

Gibt es eine Android-Version? Nein, Zahlzerlegung gibt es derzeit nur für iPhone und iPad.

Braucht mein Kind einen Account? Nein. Es gibt kein Konto und keine Anmeldung. Die Lernstände bleiben auf dem Gerät.

Kann ich den Lernstand zurücksetzen? Ja, in den Einstellungen lassen sich die Fortschritte zurücksetzen.

Mehr zur App finden Sie auf der Seite zu Zahlzerlegung.

Quellen

  • Hirsh-Pasek, K., Zosh, J. M., Golinkoff, R. M., Gray, J. H., Robb, M. B. & Kaufman, J. (2015). Putting education in “educational” apps: Lessons from the science of learning. Psychological Science in the Public Interest, 16(1), 3–34. https://doi.org/10.1177/1529100615569721
  • Marx, C., Roesch, S., Moeller, K. & Benz, C. (2025). From the whole to its parts – A systematic analysis of affordances for learning part-whole-relations in digital apps. International Electronic Journal of Mathematics Education, 20(1), em0802. https://doi.org/10.29333/iejme/15677
  • Meyer, M., Adkins, V., Yuan, N., Weeks, H. M., Chang, Y.-J. & Radesky, J. (2019). Advertising in young children’s apps: A content analysis. Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics, 40(1), 32–39. https://doi.org/10.1097/DBP.0000000000000622

Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu

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