Kurz gesagt: Mengen vergleichen üben Vorschulkinder am besten mit Dingen, die sie anfassen, und mit Sätzen, die sie hören und selbst sprechen: „Hier sind mehr als dort.“ Sechs Spiele mit Alltagsmaterial decken die drei Bausteine ab: Paare bilden, über echte Mengen sprechen und Zahlen als Weg erleben. Jedes dauert nur wenige Minuten und braucht kein Gerät.
Eine erfundene Szene: Ein Junge, fünf Jahre alt, legt Kastanien in ein Muffinblech, eine pro Mulde. Am Ende hat er noch zwei in der Hand: „Die passen nicht mehr rein!“ Ohne zu zählen weiß er, dass es mehr Kastanien als Mulden gibt, und sogar, wie viele mehr.
Warum Vergleichen vor dem Rechnen kommt, haben wir im Beitrag Mehr, weniger, gleich viel beschrieben. Hier geht es um die Praxis: sechs Spiele für Kinder von etwa vier bis sechs Jahren, mit Material, das in fast jedem Haushalt und jeder Kita liegt.

Was sollen die Spiele trainieren?
Drei Dinge, die sich gegenseitig stützen: Paare bilden (Eins-zu-eins-Zuordnung: Was übrig bleibt, zeigt, wo mehr ist), die Vergleichssprache („mehr als“, „weniger als“, „gleich viel“) und ein Gefühl für die Größe von Zahlen, das wächst, wenn Zahlen an Wege und Mengen gebunden sind.
1. Parkplatz im Muffinblech
Material: ein Muffinblech oder eine Eierschachtel, dazu Kastanien, Nüsse, Spielzeugautos oder Knöpfe.
So geht’s: Jede Mulde ist ein Parkplatz, jedes Auto braucht genau einen. Geben Sie Ihrem Kind eine Handvoll und fragen Sie vorher: „Reichen die Parkplätze?“ Dann parkt es ein. Bleiben Autos übrig, fehlen Parkplätze. Bleiben Mulden leer, sind es weniger Autos als Plätze.
Sprache: „Es sind mehr Autos als Parkplätze. Zwei Autos haben keinen Platz.“
Leichter / schwerer: Mit sechs Mulden beginnen. Später zwei Behälter nehmen, etwa fünf Kastanien im Blech und fünf Bausteine in einer Reihe: „Sind das gleich viele, obwohl es ganz andere Dinge sind?“
Warum es wirkt: In einer Studie bekamen Dreijährige Spielzeug für zu Hause. Die eine Gruppe erhielt dazu einen Behälter, der Eins-zu-eins- Zuordnung nahelegt, etwa Bälle und ein Muffinblech. Die andere Gruppe erhielt gleich viele lose Dinge. Danach lösten die Kinder mit Behälter eine schwierige Aufgabe zum Gleich-viele-Legen deutlich besser, die anderen lagen weiter beim Raten (Mix, Moore & Holcomb, 2011). Der Behälter macht das Paarebilden fast von selbst.
2. Wovon haben wir mehr?
Material: was gerade da ist: Einkäufe beim Auspacken, Obst in der Schale, Löffel in der Schublade, Schuhe im Flur.
So geht’s: Eher eine Gewohnheit als ein Spiel. Beim Auspacken legen Sie sechs Äpfel und vier Birnen nebeneinander: „Wovon haben wir mehr? Wie viele mehr?“ Ihr Kind darf zählen, Paare legen oder schätzen.
Sprache: Zählen und benennen Sie, was vor Ihnen liegt: „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs. Sechs Äpfel. Und vier Birnen. Sechs ist mehr als vier.“
Leichter / schwerer: Mit kleinen Mengen beginnen. Für sichere Kinder Mengen zwischen vier und zehn wählen und nach dem Unterschied fragen.
Warum es wirkt: In einer Langzeitstudie hing nicht jedes Reden der Eltern über Zahlen mit dem späteren Zahlverständnis der Kinder zusammen, sondern vor allem das Zählen und Benennen von Dingen, die sichtbar vor dem Kind lagen. Besonders aussagekräftig waren Mengen von vier bis zehn, die Kinder nicht mehr auf einen Blick überblicken. Der Zusammenhang blieb, auch wenn Bildung und Einkommen der Familie berücksichtigt wurden (Gunderson & Levine, 2011).
3. Bilderbuch-Detektive
Material: ein Wimmelbuch oder ein beliebiges Bilderbuch mit vielen Figuren.
So geht’s: Beim Vorlesen stellen Sie zwischendurch Vergleichsfragen: „Sind hier mehr Enten oder mehr Frösche?“ Lassen Sie Ihr Kind zeigen und antworten, dann fragen Sie: „Woran siehst du das?“
Sprache: Bewusst auch „weniger“ und „gleich viel“ benutzen, nicht nur „mehr“. „Weniger“ verstehen viele Kinder erst später, wie im Beitrag Mehr, weniger, gleich viel beschrieben.
Leichter / schwerer: Mit Mengen bis drei beginnen. Wer sicher ist, bekommt größere Mengen und die Frage „Wie viele Frösche müssten noch kommen, damit es gleich viele sind?“
Warum es wirkt: In einer Studie mit 47 Kindern aus Vorschulgruppen bekam die Hälfte acht Wochen lang dialogisches Vorlesen, bei dem gezielt Mengen- und Raumwörter vorkamen. Diese Kinder kannten danach nicht nur mehr solcher Wörter, sie schnitten auch in einem allgemeinen Mathetest besser ab als die Vergleichsgruppe (Purpura et al., 2017). In einem weiteren Experiment lasen Eltern vier Wochen lang täglich Bücher mit Zahlen vor. Bücher mit kleinen Mengen von eins bis drei förderten das Zahlwissen von Zwei- bis Vierjährigen besonders, Kinder, die schon weiter waren, profitierten auch von vier bis sechs Dingen (Gibson, Gunderson & Levine, 2020).
4. Punktekarten-Duell
Material: 20 Karten aus Pappe, je zwei mit 1 bis 10 Punkten. Die Punkte in Fünferreihen malen, wie im Zehnerfeld. Später kommt auf die Rückseite die Ziffer.
So geht’s: Karten verteilen, beide decken gleichzeitig eine auf. Wer mehr Punkte hat, sagt den ganzen Satz („Ich habe mehr als du“) und bekommt beide Karten. Zeigen beide gleich viel, rufen alle „Gleich viel!“ und die nächsten Karten entscheiden.
Sprache: Der Verlierer der Runde sagt auch seinen Satz: „Ich habe weniger als du.“
Leichter / schwerer: Nur Karten bis fünf. Später die Karten mit der Ziffernseite nach oben spielen und bei Streit umdrehen: Die Punkte entscheiden.
Warum es wirkt: In einer Studie mit Kindern um die vier Jahre verbesserten Kartenspiele, bei denen Mengen verglichen und Punktbilder mit Ziffern verbunden wurden, einige grundlegende Zahlfähigkeiten. Beim Einschätzen, wo eine Zahl auf einer Linie liegt, halfen sie allerdings nicht. Das schaffte nur ein Brettspiel mit Zahlen in einer Reihe (Whyte & Bull, 2008). Deshalb gehört zu den Karten auch Spiel 5.
5. Wer ist weiter vorn?
Material: ein klassisches Brettspiel mit einer Laufstrecke und einem Würfel mit Punkten. Oder selbst gemalt: zehn Felder in einer Reihe, nummeriert von 1 bis 10.
So geht’s: Ganz normal spielen, aber nach jedem Zug eine Frage stellen: „Wer ist weiter vorn? Wie viele Felder fehlen dir, bis du bei mir bist?“ Beim Ziehen laut weiterzählen, vom eigenen Feld aus.
Sprache: „Du bist drei Felder weiter als ich.“ – „Ich bin weniger weit gekommen.“
Leichter / schwerer: Kurze Strecke mit zehn Feldern, ein Würfel bis drei (Punkte 4, 5, 6 abkleben). Später zwei Würfel und die Frage, wer mit dem Wurf mehr Felder schafft.
Warum es wirkt: Eine Studie mit Vier- bis Sechsjährigen zeigt, dass dafür nicht einmal ein Spezialspiel nötig ist: Wer sieben Mal 30 Minuten klassische Brettspiele mit Punktewürfel spielte, verbesserte sich stärker als Kinder mit Farb- oder Symbolwürfeln, beim Zählen und beim Erkennen und Nutzen von Strukturen. Der Vorteil bei den Strukturen war ein Jahr später noch messbar (Gasteiger & Moeller, 2021). Auch in Kleingruppen in der Kita verglichen Kinder nach einem Zahlenbrettspiel Zahlen besser (Ramani, Siegler & Hitti, 2012).
6. Fünfertürme
Material: gleich große Bausteine in zwei Farben, zum Beispiel Steckbausteine oder Holzklötze.
So geht’s: Jedes Kind baut einen Turm mit so vielen Steinen, wie ein Würfel zeigt. Regel: Nach fünf Steinen wechselt die Farbe. Dann stellen Sie die Türme nebeneinander: „Welcher ist höher? Wie viele Steine mehr?“
Sprache: „Mein Turm hat fünf und zwei, also sieben. Deiner hat fünf. Meiner hat zwei mehr.“
Leichter / schwerer: Erst ein Würfel, später zwei und Türme bis zehn. Zusatz: Dieselben Steine einmal als Turm und einmal weit auseinander hinlegen. Ist es jetzt mehr? Die Länge einer lockeren Reihe täuscht, die Höhe gleich großer Steine nicht.
Warum es wirkt: Mit gleich großen Steinen passen Höhe und Anzahl zusammen, und die Fünferfarbe macht Mengen auf einen Blick lesbar. Warum diese Struktur hilft, steht im Beitrag zur Kraft der Fünf. Dass Kinder solche Strukturen beim Spielen zu nutzen lernen, zeigt auch die Brettspielstudie mit Punktewürfeln (Gasteiger & Moeller, 2021).
Wie oft und wie lange?
Kurz und oft. Die Studien oben arbeiteten mit Einheiten von 25 bis 30 Minuten über einige Wochen, im Alltag reichen ein paar Minuten. Wichtiger ist, dass gesprochen wird: „Woran siehst du das?“ Bei Fehlern legen Sie die Mengen gemeinsam nebeneinander, die Paare zeigen die Antwort.
Und die App?
Auch in Mengenpiraten geht es um diese drei Bausteine. Auf der ersten Insel verbinden Linien die Münzpaare, damit sichtbar wird, was keinen Partner hat. Die drei Vergleichssätze werden vorgelesen, und der Sprachspeicher spielt sie jederzeit vor. Auf der Nebelinsel verschwinden die Münzen nach drei Sekunden, dann wird aus dem Gedächtnis verglichen. Die Spiele hier ersetzt die App nicht, sie ergänzt sie. Wie sie entstanden ist, steht im Beitrag Eine Pirateninsel für das Vergleichen.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter eignen sich die Spiele? Das Muffinblech und die Bilderbuchfragen schon ab etwa drei Jahren, die Studien dazu arbeiteten mit Zwei- bis Vierjährigen. Punktekarten, Brettspiel und Türme passen eher ab vier bis fünf.
Mein Kind zählt immer alles ab, statt Paare zu bilden. Ist das falsch? Nein. Zählen ist ein guter Weg. Zeigen Sie das Paarebilden zusätzlich, dann erlebt Ihr Kind, dass beide Wege zur gleichen Antwort führen.
Was, wenn mein Kind „weniger“ immer mit „mehr“ verwechselt? Das ist im Vorschulalter häufig. Benutzen Sie „weniger“ oft und im ganzen Satz, auch beim Verlierer im Punktekarten-Duell. Die Spiele fördern Grundlagen, sie ersetzen keine Förderdiagnostik und keine Lerntherapie.
Quellen
- Gasteiger, H. & Moeller, K. (2021). Fostering early numerical competencies by playing conventional board games. Journal of Experimental Child Psychology, 204, 105060. https://doi.org/10.1016/j.jecp.2020.105060
- Gibson, D. J., Gunderson, E. A. & Levine, S. C. (2020). Causal effects of parent number talk on preschoolers’ number knowledge. Child Development, 91(6), e1162–e1177. https://doi.org/10.1111/cdev.13423
- Gunderson, E. A. & Levine, S. C. (2011). Some types of parent number talk count more than others: Relations between parents’ input and children’s cardinal-number knowledge. Developmental Science, 14(5), 1021–1032. https://doi.org/10.1111/j.1467-7687.2011.01050.x
- Mix, K. S., Moore, J. A. & Holcomb, E. (2011). One-to-one play promotes numerical equivalence concepts. Journal of Cognition and Development, 12(4), 463–480. https://doi.org/10.1080/15248372.2011.554928
- Purpura, D. J., Napoli, A. R., Wehrspann, E. A. & Gold, Z. S. (2017). Causal connections between mathematical language and mathematical knowledge: A dialogic reading intervention. Journal of Research on Educational Effectiveness, 10(1), 116–137. https://doi.org/10.1080/19345747.2016.1204639
- Ramani, G. B., Siegler, R. S. & Hitti, A. (2012). Taking it to the classroom: Number board games as a small group learning activity. Journal of Educational Psychology, 104(3), 661–672. https://doi.org/10.1037/a0028995
- Whyte, J. C. & Bull, R. (2008). Number games, magnitude representation, and basic number skills in preschoolers. Developmental Psychology, 44(2), 588–596. https://doi.org/10.1037/0012-1649.44.2.588
Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu
