Kurz gesagt: PflegeMate ist seit dieser Woche im App Store. Die App hilft internationalen Pflegekräften, die deutschen Wörter und Sätze für den Stationsalltag zu lernen: gut 400 Pflegebegriffe in 18 Kategorien, jeweils mit Bild, Übersetzung, kurzer Erklärung und drei Beispielsätzen für Patient, Kollegin und Arzt. PflegeMate ist eine reine Sprachlernhilfe, kein medizinisches Nachschlagewerk und keine Prüfungsvorbereitung.

Seit dem Sommer haben wir hier beschrieben, wie die ersten Wochen auf Station aussehen, warum ein B2-Zertifikat im Stationsalltag oft nicht reicht und warum ein Wort drei Sätze braucht. Aus diesen Überlegungen ist PflegeMate entstanden. Heute stellen wir die erste Version vor, so nüchtern wie möglich: was sie kann, für wen sie gedacht ist und wo ihre Grenzen liegen.

Für wen ist PflegeMate?

Für Pflegefachkräfte, die ihre Ausbildung im Ausland gemacht haben und in Deutschland anfangen, ob noch in der Anerkennung, im Anpassungslehrgang oder schon im ersten Jahr auf Station. Auch Auszubildende, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, und Praxisanleiterinnen, die neue Kolleginnen einarbeiten, können damit arbeiten.

Warum gerade diese Gruppe? In einer Interviewstudie mit Pflegekräften, die in Deutschland ausgebildet wurden und mit international ausgebildeten Kolleginnen zusammenarbeiten, nannten die Befragten fehlende Sprachkenntnisse als ein Hindernis für die Integration ins Team. Als hilfreich beschrieben sie unter anderem eine strukturierte Einarbeitung, feste Ansprechpersonen und gezieltes Sprachtraining (Roth et al., 2023). Eine Lern-App kann nur den letzten Punkt unterstützen, und auch den nur zum Teil.

Was steckt in der App?

Gut 400 Pflegebegriffe in 18 Kategorien. Sortiert so, wie man sie auf Station braucht: vom Patientenbett und Zimmer über Lagerung, Körperpflege, Ausscheidung, Atmung, Medikamente und Wundversorgung bis zu Dokumentation, Labor und Technik. Jedes Nomen steht mit seinem Artikel da, also „der Lagerungskeil“, nicht nur „Lagerungskeil“.

Bild, Übersetzung und Erklärung. Zu jedem Begriff gibt es ein Bild, die Übersetzung und eine kurze Erklärung in der eigenen Sprache, darunter Polnisch, Türkisch, Rumänisch, Ukrainisch, Arabisch und Englisch. Die Erklärung ist wichtig, weil es für viele Pflegewörter keine Eins-zu-eins- Übersetzung gibt.

Drei Sätze je Begriff. Jeder Begriff kommt in drei Beispielsätzen vor: einer an die Patientin oder den Patienten, einer an die Kollegin, einer an die Ärztin oder den Arzt. Die Idee dahinter haben wir im Beitrag Ein Wort, drei Sätze ausführlich beschrieben.

Grafik: So ist ein Begriff in PflegeMate aufgebaut, am Beispiel „der Lagerungskeil“. Oben das Wort mit Artikel, darunter Übersetzung und kurze Erklärung in der eigenen Sprache. Darunter drei Sätze: an den Patienten „Ich lege den Lagerungskeil dazu, damit Sie stabil und bequem liegen.“, an die Kollegin „Leg bitte den Lagerungskeil unter.“, an den Arzt beziehungsweise für die Meldung „Lagerungskeil ist platziert.“

Das Beispiel zeigt, warum uns die drei Sätze so wichtig sind. Zum Patienten ein ganzer, freundlicher Satz mit „Sie“ und einer Begründung. Zur Kollegin eine kurze Bitte mit „du“. In der Meldung nur noch die Sache. Eine Studie in Londoner Kliniken beschreibt genau diese Arbeit: Pflegekräfte müssen zwischen Alltagssprache und medizinischer Sprache übersetzen, beruhigen, anleiten, nachfragen und höflich widersprechen können. Vieles davon prüfen allgemeine Sprachtests kaum (Sedgwick & Garner, 2017).

Für den Alltag. Die App funktioniert offline, also auch im Dienstzimmer ohne WLAN. Es gibt kein Konto und keine Anmeldung. Schwierige Wörter lassen sich als Favoriten markieren, und zu jedem Begriff kann man eigene Notizen festhalten, etwa wie etwas auf der eigenen Station genannt wird.

Was PflegeMate nicht ist

  • Kein medizinisches Nachschlagewerk. Die App erklärt Wörter, keine Behandlungen. Was auf Ihrer Station gilt, steht in den Standards Ihres Hauses und wird in der Einarbeitung gezeigt.
  • Keine Prüfungsvorbereitung. PflegeMate bereitet nicht gezielt auf eine Fachsprachprüfung vor und verspricht kein Bestehen.
  • Kein Sprachkurs. Grammatik, Hörverstehen und freies Sprechen lernt man im Kurs und im Gespräch. Eine Übersicht zur Forschung über die mündlichen Herausforderungen international ausgebildeter Pflegekräfte betont, dass Sprachenlernen ein langer, mehrstufiger Prozess ist, zu dem auch die sozialen und kulturellen Seiten des Berufs gehören (Lum et al., 2015). Das kann keine App allein leisten.
  • Keine Übersetzung im Notfall. Für Gespräche über Diagnosen oder Einwilligungen braucht es Dolmetscherinnen oder Kolleginnen mit der passenden Sprache, keine Wortliste.

Was noch fehlt

Eine erste Version ist eine erste Version. Im Herbst haben wir über zwei Ideen geschrieben, die in dieser Fassung noch nicht enthalten sind: eine eigene Sammlung der Stationsabkürzungen und eine Aussprache, bei der jedes Wort mit seinem Artikel gesprochen wird. Daran arbeiten wir weiter. Wir schreiben hier, wenn es so weit ist, und versprechen vorher keinen Termin.

Was Sie tun können

Wenn Sie Pflegedeutsch lernen:

  1. Fünf Wörter am Tag statt fünfzig am Sonntag. Kurze Einheiten passen besser zwischen zwei Dienste, und Sie kommen öfter auf dieselben Wörter zurück.
  2. Sprechen Sie die drei Sätze laut. Erst lesen, dann ohne Vorlage sagen. Achten Sie auf den Wechsel von „Sie“ zu „du“.
  3. Schreiben Sie Ihre Station dazu. Wenn ein Gerät bei Ihnen anders heißt, notieren Sie das. Ihre Station ist der beste Wortschatz.
  4. Fragen Sie nach. „Wie sagt man das hier?“ ist auf Station eine ganz normale Frage.

Wenn Sie neue Kolleginnen einarbeiten: Gehen Sie in der ersten Woche einmal gemeinsam durch das Zimmer und benennen Sie, was dort steht, mit Artikel. Das dauert zehn Minuten und erspart viele Missverständnisse.

Häufige Fragen

In welchen Sprachen gibt es Erklärungen? Unter anderem auf Polnisch, Türkisch, Kroatisch, Rumänisch, Ukrainisch, Arabisch, Spanisch, Französisch, Chinesisch und Englisch. Die eigene Sprache wählt man beim ersten Start.

Brauche ich Internet oder ein Konto? Nein. Alle Inhalte liegen auf dem Gerät, eine Anmeldung gibt es nicht.

Hilft PflegeMate bei der Fachsprachprüfung? Die App übt Wortschatz und typische Sätze aus dem Stationsalltag. Eine gezielte Prüfungsvorbereitung ist sie nicht, und ein Bestehen können und wollen wir nicht versprechen.

Gibt es PflegeMate auch für Android? Zum Start gibt es PflegeMate im App Store.

Mehr zur App finden Sie auf der Seite zu PflegeMate.

Quellen

  • Lum, L., Dowedoff, P., Bradley, P., Kerekes, J. & Valeo, A. (2015). Challenges in oral communication for internationally educated nurses. Journal of Transcultural Nursing, 26(1), 83–91. https://doi.org/10.1177/1043659614524792
  • Roth, C., Breckner, A., Wensing, M., Mahler, C., Krug, K. & Berger, S. (2023). Barriers and enabling factors for workplace integration of internationally qualified nurses: A qualitative study of perceptions of German nurses. Nursing Open, 10(8), 5225–5235. https://doi.org/10.1002/nop2.1760
  • Sedgwick, C. & Garner, M. (2017). How appropriate are the English language test requirements for non-UK-trained nurses? A qualitative study of spoken communication in UK hospitals. International Journal of Nursing Studies, 71, 50–59. https://doi.org/10.1016/j.ijnurstu.2017.03.002

Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu

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