Kurz gesagt: Das Einmaleins gelingt in Klasse 2 am besten in drei Etappen: erst verstehen, was „mal“ bedeutet, dann die Kernaufgaben mit 1, 2, 5 und 10 sichern, dann die übrigen Aufgaben daraus ableiten und zuletzt alles in kurzen, verteilten Runden automatisieren. Zehn Minuten am Tag reichen. Wichtig ist Geduld: Bis zum Ende der Grundschule sollen Kinder das Einmaleins sicher wissen, nicht nach sechs Wochen.
Das Mathebuch ist bei der Malrechnung angekommen, und mit ihm die Frage, die viele Eltern im Herbst der zweiten Klasse stellen: Wie üben wir das eigentlich? Reihe für Reihe auswendig? Jeden Abend alle Aufgaben abfragen? Und Lehrkräfte fragen sich, wie sie die ersten Wochen so anlegen, dass die Kinder nicht beim Aufsagen von Reihen stehen bleiben.
Warum Verstehen vor dem Auswendiglernen kommt, haben wir in Einmaleins auswendig lernen? erklärt, wie das Ableiten aus Kernaufgaben genau geht, im Beitrag über Kernaufgaben. Hier geht es um die Praxis: einen Plan für die ersten sechs Wochen.
Was sollen Kinder am Ende von Klasse 2 können?
Das legen die Länder fest, und die Lehrpläne unterscheiden sich. Ein Beispiel: Der bayerische Lehrplan erwartet am Ende der Jahrgangsstufe 2, dass Kinder die Kernaufgaben des kleinen Einmaleins automatisiert und flexibel nutzen, also die Aufgaben mit 1, 2, 5 und 10 und die Quadrataufgaben, und dass sie andere Aufgaben daraus ableiten, etwa 9 · 8 als 10 · 8 − 1 · 8 (ISB Bayern, LehrplanPLUS).
Dass alle Aufgaben gedächtnismäßig sitzen, verlangen die Bildungsstandards erst für das Ende der Grundschule (KMK, 2022). Das passt zu einer Längsschnittstudie aus Baden-Württemberg: Von 535 Kindern erreichten am Ende der dritten Klasse 223 das gesetzte Ziel bei den Mal- und Geteiltaufgaben, 145 lagen auf der niedrigsten Stufe (Gleißberg et al., 2025). Das Einmaleins braucht also Zeit, und zwar mehr als ein paar Wochen.
Ableiten oder Pauken: Was hilft beim Automatisieren?
Beides hat seinen Platz, in der richtigen Reihenfolge. Eine Studie mit 58 Viertklässlern verglich reines Training mit Zeitvorgabe mit einem Unterricht, der Rechenstrategien und Training verband. Beide Gruppen wurden schneller. Die Kinder mit Strategien konnten ihr Wissen aber besser auf größere Aufgaben und Überschlagsrechnungen übertragen, auch noch später (Woodward, 2006).
Für das Üben selbst sind zwei Befunde nützlich. Erstens: Verteilen lohnt sich. Drittklässler, die dieselbe Übungszeit auf mehrere kurze Einheiten über den Tag verteilten, wurden bei Additionsaufgaben schneller sicher als Kinder, die alles am Stück übten (Schutte et al., 2015). Zweitens: Mischen lohnt sich. Kinder, die vier Arten von Matheaufgaben gemischt statt nacheinander übten, schnitten in der Übungsphase schlechter ab, im Test am nächsten Tag aber doppelt so gut (Taylor & Rohrer, 2010). In dieser Studie ging es nicht ums Einmaleins. Die Übertragung ist eine plausible Annahme, kein Beleg.
Wie sieht ein Plan für sechs Wochen aus?
Der folgende Plan ist unser Vorschlag. Er folgt der Logik „Kernaufgaben → Ableiten → Automatisieren“. Passen Sie ihn an das an, was in der Schule gerade dran ist, und gehen Sie langsamer, wenn eine Etappe noch wackelt.

Woche 1: Was heißt „mal“? Gleich große Gruppen im Alltag suchen: Eierkartons, Muffinbleche, Fenster mit Sprossen. Dann selbst legen: 3 Reihen mit je 4 Knöpfen. Wie viele? Was ändert sich, wenn man das Rechteck dreht? So wird die Tauschaufgabe sichtbar, bevor sie gelernt wird. Mehr dazu im Beitrag Malaufgaben als Rechteck.
Woche 2: Die leichten Reihen. Mal 2 ist Verdoppeln, mal 10 hängt eine Null an, mal 5 ist die Hälfte von mal 10: „10 · 6 = 60, die Hälfte ist 30.“ Mal 1 lässt die Zahl, wie sie ist.
Woche 3: Kernaufgaben sichern. Jeden Tag ein paar Kernaufgaben abrufen, gemischt statt der Reihe nach. Dazu die Quadrataufgaben wie 3 · 3 oder 6 · 6, die sich Kinder oft gut merken. Bei jeder Aufgabe gleich die Tauschaufgabe mitsagen.
Woche 4: Ableiten von 10 und 5 aus. 9 · 6 ist eine Sechs weniger als 10 · 6. 6 · 7 ist eine Sieben mehr als 5 · 7. Lassen Sie das Kind laut sagen, von welcher Aufgabe es ausgeht.
Woche 5: Ableiten bei 3, 4, 6, 7 und 8. Mal 4 ist das Doppelte von mal 2, mal 8 das Doppelte von mal 4. Bei schweren Aufgaben wie 7 · 8 fragen: „Welche Aufgabe in der Nähe kennst du schon?“
Woche 6: Mischen und abrufen. Jetzt kommt das Automatisieren: kurze Runden mit gemischten Aufgaben, die Ergebnisse aus dem Kopf. Unsichere Aufgaben auf einen Extra-Zettel und öfter wiederholen. Nach diesen sechs Wochen geht es mit kurzen Wiederholungen über das Schuljahr weiter.
Was Sie tun können

- Zehn Minuten, nicht eine Stunde. Lieber jeden Tag kurz als am Wochenende lang. Wer kann, teilt die zehn Minuten noch einmal auf, etwa fünf nach der Schule und fünf vor dem Abendessen.
- Erst zeigen, dann rechnen. Jede neue Aufgabe einmal legen oder zeichnen. Ein Rechteck aus Kästchen im Heft reicht.
- Nach dem Weg fragen. „Wie hast du das gerechnet?“ ist wichtiger als „Richtig!“. Ein Kind, das 9 · 6 über 10 · 6 rechnet, ist auf einem guten Weg, auch wenn es noch etwas länger braucht.
- Mischen statt Reihen aufsagen. Die Siebenerreihe vorwärts aufsagen ist kein Abrufen. Fragen Sie durcheinander.
- Unsichere Aufgaben sammeln. Ein Zettel am Kühlschrank mit drei bis fünf „Wackelaufgaben“. Wer zwei Tage hintereinander sicher ist, fliegt runter.
- Ohne Stoppuhr anfangen. Tempo kommt mit der Sicherheit. Wenn Sie Tempo üben wollen, erst wenn die Wege sitzen, und nie im Vergleich mit anderen Kindern.
- Fehler lesen. 7 · 8 = 48 ist ein Nachbarfehler, 3 · 4 = 7 eine Verwechslung mit Plus. Was solche Fehler verraten, steht im Beitrag Typische Einmaleins-Fehler.
Wie Droptiply dazu passt
Droptiply übt das Einmaleins in acht Welten, die Reihen in einer ähnlichen Reihenfolge wie im Plan dazunehmen: zuerst 1 und 10, dann 5, dann 2 und 4, dann 3, dann 6 und 9, dann 7 und zuletzt 8. Jede Aufgabe ist ein Block, dessen Höhe und Breite die beiden Zahlen sind, das Rechteck aus Woche 1 also. Unsichere Aufgaben kommen häufiger, und Tauschaufgaben zählen mit. Im Zen-Modus fällt nichts von allein, das Kind setzt die Blöcke in eigenem Tempo. Für Erwachsene zeigt eine Übersicht alle 100 Aufgaben als Tabelle, so sehen Sie, welche noch wackeln.
Die App ersetzt die Wochen 1 und 4 nicht: Legen, Zeichnen und das Gespräch über Rechenwege passieren am Tisch. Sie eignet sich für die kurzen Abrufrunden ab Woche 3. Mehr auf der Seite zu Droptiply.
Häufige Fragen
Mein Kind kann die Reihen aufsagen. Reicht das nicht? Aufsagen zeigt, dass die Reihenfolge sitzt. Ob ein Kind 7 · 6 abrufen kann, ohne bei 7 · 1 anzufangen, zeigt erst eine gemischte Abfrage. Beides ist in Ordnung, Ziel ist aber das direkte Abrufen.
In der Schule wird Reihe für Reihe gelernt. Soll ich trotzdem anders üben? Folgen Sie der Schule und ergänzen Sie: Zeigen Sie bei jeder neuen Reihe, wie sie mit den Kernaufgaben zusammenhängt. Widersprüche zur Schule verunsichern Kinder mehr, als ein anderer Weg hilft.
Was, wenn mein Kind nach sechs Wochen noch nicht alles weiß? Das ist normal. Die Bildungsstandards erwarten das sichere Wissen erst zum Ende der Grundschule (KMK, 2022), und auch am Ende von Klasse 3 ist es bei vielen Kindern noch nicht so weit (Gleißberg et al., 2025). Wenn ein Kind aber auch bei den Kernaufgaben noch zählt, sprechen Sie mit der Lehrkraft. Eine App ersetzt keine Diagnostik.
Wie lange sollte eine Übungseinheit dauern? Wir empfehlen etwa zehn Minuten. Das ist keine Forschungszahl, sondern eine praktische Größe, die zu den Befunden über verteiltes Üben passt (Schutte et al., 2015).
Quellen
- Gleißberg, S., Eichler, K.-P. & Seibold, M. (2025). Mastering the basic facts of multiplication and division till the end of grade 3 – selected results of a longitudinal study. Proceedings of the Fourteenth Congress of the European Society for Research in Mathematics Education (CERME14), TWG02. https://hal.science/hal-05162091
- ISB Bayern (o. J.). LehrplanPLUS Grundschule, Fachlehrplan Mathematik, Jahrgangsstufe 1/2. https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/grundschule/2/mathematik
- Kultusministerkonferenz (2022). Bildungsstandards für das Fach Mathematik Primarbereich. Beschluss vom 23.06.2022. https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2022/2022_06_23-Bista-Primarbereich-Mathe.pdf
- Schutte, G. M., Duhon, G. J., Solomon, B. G., Poncy, B. C., Moore, K. & Story, B. (2015). A comparative analysis of massed vs. distributed practice on basic math fact fluency growth rates. Journal of School Psychology, 53(2), 149–159. https://doi.org/10.1016/j.jsp.2014.12.003
- Taylor, K. & Rohrer, D. (2010). The effects of interleaved practice. Applied Cognitive Psychology, 24(6), 837–848. https://doi.org/10.1002/acp.1598
- Woodward, J. (2006). Developing automaticity in multiplication facts: Integrating strategy instruction with timed practice drills. Learning Disability Quarterly, 29(4), 269–289. https://doi.org/10.2307/30035554
Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu
