Kurz gesagt: Droptiply ist ab heute im App Store, für iPhone und iPad. Die App übt das kleine Einmaleins mit Kindern von etwa 6 bis 12 Jahren: Jede Aufgabe ist ein Block, dessen Höhe und Breite die beiden Faktoren sind, und wer die Aufgabe löst, darf den Block ins Spielfeld setzen. Droptiply hat keine Werbung, kein Abo und keine In-App-Käufe, sammelt keine Daten und ist in neun Sprachen verfügbar.
Seit Dezember haben wir hier beschrieben, was uns beim Einmaleins wichtig ist: erst verstehen, dann auswendig wissen, von Kernaufgaben aus ableiten, Malaufgaben als Rechteck sehen. Wie daraus ein Spiel mit fallenden Blöcken wurde und wie wir Fortschritt ohne Druck sichtbar machen wollen, ebenfalls. Heute ist Droptiply erschienen. Hier beschreiben wir nüchtern, was die App kann und was nicht.
Was übt Droptiply?
Alle 100 Aufgaben des kleinen Einmaleins, von 1 · 1 bis 10 · 10. Ziel ist, dass Kinder die Ergebnisse sicher abrufen können und dabei wissen, was eine Malaufgabe bedeutet.
Dafür ist jede Aufgabe ein Rechteck. Ein Block, der 3 Kästchen hoch und 4 Kästchen breit ist, steht für 3 · 4 und bedeckt genau 12 Felder. Dreht das Kind den Block, wird daraus 4 · 3, dieselben 12 Felder in anderer Lage. So wird die Tauschaufgabe sichtbar. Dass dieses Rechteck- oder Punktfeld-Modell Kindern beim Verstehen und Begründen helfen kann, aber auch eigene Stolperstellen hat, zeigt eine Studie mit Grundschulkindern (Barmby et al., 2009).

Wie läuft eine Runde ab?
Oben erscheint ein Block mit seiner Aufgabe, darunter stehen vier Antworten. Erst wenn das Kind die richtige antippt, wird der Block frei: Es kann ihn verschieben und drehen, dann fällt er ins Spielfeld. Volle Reihen lösen sich auf, das gibt Punkte. Passt kein neuer Block mehr hinein, endet die Runde.
Die drei falschen Antworten sind nicht zufällig gewählt. Sie stammen zum Beispiel aus einer Nachbaraufgabe, aus einer Verwechslung mit Plus (3 + 4 statt 3 · 4) oder liegen knapp neben dem Ergebnis. In den ersten Welten sind sie leichter auseinanderzuhalten, später liegen sie näher beieinander.
Nach einem Fehler darf das Kind es noch einmal versuchen. Nach dem zweiten Fehlversuch pulsiert die richtige Antwort leicht, nach dem dritten wird sie gezeigt und der Block freigegeben. Niemand bleibt also an einer Aufgabe hängen, und die Aufgabe kommt später wieder.
Welche Aufgabe kommt als Nächstes?
Im Hintergrund merkt sich Droptiply für jede der 100 Aufgaben, wie sicher sie sitzt: Jede Antwort, die beim ersten Versuch stimmt, bringt einen Stern, bis zu fünf. Aufgaben mit wenigen Sternen kommen häufiger dran, gut gewusste seltener, und was ein paar Tage nicht dran war, rückt wieder nach vorn. Löst ein Kind 3 · 4, zählt das auch für 4 · 3. Auf dem Startbildschirm stehen bis zu fünf Aufgaben „Zum Wiederholen“. Wie das im Einzelnen funktioniert und welche Forschung dahintersteht, erklären wir in einem eigenen Beitrag.
Welten, Modi, Begleiter
Acht Welten. Das Einmaleins ist in acht Welten gegliedert, die nach und nach neue Reihen dazunehmen: zuerst 1 und 10, dann 5, 2 und 4, 3, 6 und 9, 7 und zuletzt 8. Die nächste Welt öffnet sich, wenn 95 Prozent der Aufgaben einer Welt sicher sitzen. Wer eine Reihe schon gut kann, darf in den frühen Welten auch eine überspringen.
Vier Spielmodi. Klassisch: Der Block wartet auf die Antwort und fällt erst danach. Zen: Nichts fällt von allein, das Kind setzt die Blöcke in eigenem Tempo. Speed: fünf Sekunden pro Antwort, mit Bonus für schnelle Antworten. Keine Fehler: drei Leben, jeder Fehler kostet eins. Welcher Modus passt, entscheidet das Kind oder Sie.
Acht Begleiter, zehn Farbwelten. Kinder wählen eine von acht Figuren, jede mit einem kleinen Spielvorteil, etwa früheren Hinweisen. Jede Figur führt einen eigenen Lernstand. Mit den Welten öffnen sich neue Farbwelten mit eigener Musik, die letzte erst, wenn alle 100 Aufgaben gut gelernt sind. Dazu kommen Erfolge, die sich in den Einstellungen ausblenden lassen.
Fortschritt für Erwachsene. Eine Übersicht zeigt alle 100 Aufgaben als Tabelle von 10 mal 10, eingefärbt in vier Stufen von „Nicht gelernt“ bis „Perfekt“. So sehen Sie auf einen Blick, wo es noch hakt.
Barrierefreiheit
In den Einstellungen lassen sich Muster für farbenblinde Kinder, ein hoher Kontrast und weniger Bewegung einschalten, außerdem die Schrift OpenDyslexic. Bei Letzterer sind wir ehrlich: Eine Studie mit Kindern mit Legasthenie fand mit dieser Schrift kein schnelleres oder genaueres Lesen (Wery & Diliberto, 2017). Wir bieten sie als Wahlmöglichkeit an, ohne einen Lerneffekt zu versprechen. Ton, Musik und Vibration lassen sich einzeln abschalten.
Was Droptiply bewusst nicht tut
- Keine Werbung, kein Abo, keine In-App-Käufe. Droptiply ist eine Kauf-App. In einer Untersuchung von 135 beliebten Apps für Kinder bis fünf Jahre enthielten 95 % irgendeine Form von Werbung, als „pädagogisch“ bezeichnete Apps kaum seltener (Meyer et al., 2019).
- Keine Datenerfassung, kein Konto, kein Internet nötig. Alle Lernstände bleiben auf dem Gerät.
- Kein Zwang zum Tempo. Nur der Speed-Modus hat eine Uhr, und den wählt man selbst.
- Kein Ersatz für Verstehen und Gespräch. Rechtecke legen, Punktfelder zeichnen, über Rechenwege reden bleibt wichtig. Die App übernimmt das regelmäßige Üben danach. Sie ersetzt keine Diagnostik und keine Lerntherapie.
Für wen ist Droptiply gedacht?
Für Kinder von etwa 6 bis 12 Jahren, also ab dem Moment, in dem das Einmaleins in der Schule eingeführt wird, bis zu älteren Kindern, die noch unsicher sind. Laut Bildungsstandards sollen Kinder das kleine Einmaleins am Ende der Grundschule „gedächtnismäßig“ beherrschen (KMK, 2022).
Die App gibt es in neun Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch und Chinesisch (vereinfacht).
Gute Lern-Apps unterstützen aktives, engagiertes, bedeutungsvolles und sozial eingebundenes Lernen mit einem klaren Ziel (Hirsh-Pasek et al., 2015). Den sozialen Teil kann eine App kaum leisten. Es lohnt sich, ab und zu danebenzusitzen.
Was Sie tun können
- Nach dem Block fragen. „Warum passt der 3-mal-4-Block hier hinein?“ oder „Wie viele Kästchen hat er?“ verbindet das Spiel mit dem Rechteck.
- Rechtecke auf Kästchenpapier. Malen Sie gemeinsam 6 · 7 auf und teilen Sie es in 5 · 7 und 1 · 7. Das ist derselbe Gedanke wie in der App.
- Tauschaufgaben suchen. Nennt Ihr Kind 4 · 8, fragen Sie nach der Aufgabe, die dieselbe Fläche hat.
- Kurz und regelmäßig. Ein paar Minuten an mehreren Tagen helfen mehr als eine lange Sitzung am Wochenende.
Häufige Fragen
Braucht mein Kind ein Konto oder Internet? Nein. Droptiply funktioniert ohne Konto und ohne Internetverbindung. Alle Daten bleiben auf dem Gerät.
Können Geschwister auf einem Gerät üben? Ja. Jede der acht Begleitfiguren hat einen eigenen Lernstand. Wählt jedes Kind eine eigene Figur, übt es mit seinem eigenen Fortschritt.
Gibt es Droptiply für Android? Zum Start gibt es Droptiply im App Store für iPhone und iPad.
Lässt sich der Lernstand zurücksetzen? Ja, in den Einstellungen für jede Figur einzeln.
Mehr zur App finden Sie auf der Seite zu Droptiply.
Quellen
- Barmby, P., Harries, T., Higgins, S. & Suggate, J. (2009). The array representation and primary children’s understanding and reasoning in multiplication. Educational Studies in Mathematics, 70(3), 217–241. https://doi.org/10.1007/s10649-008-9145-1
- Hirsh-Pasek, K., Zosh, J. M., Golinkoff, R. M., Gray, J. H., Robb, M. B. & Kaufman, J. (2015). Putting education in “educational” apps: Lessons from the science of learning. Psychological Science in the Public Interest, 16(1), 3–34. https://doi.org/10.1177/1529100615569721
- Kultusministerkonferenz (2022). Bildungsstandards für das Fach Mathematik. Primarbereich (Beschluss vom 15.10.2004, i. d. F. vom 23.06.2022). https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2022/2022_06_23-Bista-Primarbereich-Mathe.pdf
- Meyer, M., Adkins, V., Yuan, N., Weeks, H. M., Chang, Y.-J. & Radesky, J. (2019). Advertising in young children’s apps: A content analysis. Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics, 40(1), 32–39. https://doi.org/10.1097/DBP.0000000000000622
- Wery, J. J. & Diliberto, J. A. (2017). The effect of a specialized dyslexia font, OpenDyslexic, on reading rate and accuracy. Annals of Dyslexia, 67(2), 114–127. https://doi.org/10.1007/s11881-016-0127-1
Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu
