Kurz gesagt: In der ersten Woche auf Station braucht man nicht tausend Fachwörter, sondern die, die in jeder Schicht vorkommen: rund um Dienst und Übergabe, das Patientenzimmer, die Pflege am Bett, das Beobachten, Essen und Medikamente, Hygiene und Dokumentation. Wir haben 50 solche Wörter ausgewählt, jedes mit Artikel. Die Auswahl ist unsere eigene, keine Häufigkeitsliste. Gelernt werden sie am besten in kleinen Portionen, laut, in einem Satz und mehrmals aus dem Kopf abgerufen.

Montag, erster Frühdienst, eine erfundene Szene: Die Stationsleitung zeigt der neuen Kollegin den Dienstplan, dann geht es zur Übergabe. „Die Dame in der Sieben hat nachts über Schwindel geklagt, bitte Sturzgefahr beachten, das Bettgitter ist oben.“ Die neue Kollegin kennt Pflege seit Jahren. Aber welches dieser Wörter ist das wichtigste? Und welches hat sie im Deutschkurs nie gehört?

Was die ersten Wochen insgesamt so schwer macht, haben wir in Ankommen auf Station beschrieben. Dieser Beitrag ist praktischer: eine Liste für die erste Woche und ein Plan, wie man sie lernt.

Warum nicht einfach ein Fachwörterbuch?

Weil ein Wörterbuch keine Reihenfolge kennt. Die Sprachforschung zeigt, wie groß der Wortschatz für das Verstehen einer Sprache ist: Für das Englische schätzt eine bekannte Analyse 6.000 bis 7.000 Wortfamilien, um gesprochene Texte ohne Hilfe zu verstehen (Nation, 2006). Für das Deutsche und für die Pflege gibt es solche Zahlen nicht in dieser Form. Klar ist aber: Wer so viel lernen muss, sollte mit den Wörtern anfangen, die am häufigsten gebraucht werden.

Für die Pflege lässt sich das auch an den Situationen festmachen. In einer Befragung von 162 albanischen Pflegekräften in Deutschland nannten die Befragten Fachbegriffe, Telefonate und die Dokumentation als größte Herausforderungen (Dervishi et al., 2025). Genau dort tauchen die Wörter auf, die man ab dem ersten Tag hört.

Wie haben wir die 50 Wörter ausgewählt?

Eine Häufigkeitsliste für deutsches Pflegevokabular haben wir nicht gefunden. Unsere Auswahl ist deshalb eine begründete eigene Liste, keine Zählung. Drei Fragen haben wir gestellt:

  1. Kommt das Wort in einer typischen ersten Woche vor? Dienstbeginn, Übergabe, Zimmer, Grundpflege, Werte messen, Essen und Medikamente, Hygiene, Dokumentation.
  2. Braucht man es, um zu verstehen oder zu handeln? „Sturzgefahr“ muss man verstehen, auch wenn man es noch nicht selbst sagt.
  3. Ist es ein Nomen, das man mit Artikel lernen kann? Verben und Redewendungen sind genauso wichtig, gehören aber in eine eigene Liste.

Abkürzungen wie RR oder BZ haben wir bewusst nicht aufgenommen. Wie man sie lernt, steht im Beitrag RR, BZ, i.v..

Die 50 Wörter

Grafik: 50 Pflegewörter für die erste Woche, mit Artikel, in sechs Gruppen. Dienst und Team, Patientenzimmer, Pflege am Bett, Beobachten, Essen und Medikamente, Hygiene und Dokumentation.

Dienst und Team (8) die Übergabe · der Dienstplan · der Frühdienst · der Spätdienst · der Nachtdienst · die Stationsleitung · der Praxisanleiter / die Praxisanleiterin · das Dienstzimmer

Im Patientenzimmer (9) die Rufanlage · der Nachttisch · das Bettgitter · der Rollstuhl · der Rollator · der Toilettenstuhl · die Urinflasche · das Patientenarmband · die Waschschüssel

Pflege am Bett (8) die Grundpflege · die Mundpflege · die Lagerung · die Mobilisation · die Inkontinenzeinlage · der Stuhlgang · die Sturzgefahr · der Dekubitus

Beobachten (9) der Blutdruck · der Puls · die Temperatur · der Blutzucker · die Sauerstoffsättigung · die Schmerzen (Plural) · das Fieber · die Übelkeit · der Schwindel

Essen, Trinken, Medikamente (8) die Kostform · die Trinkmenge · das Trinkprotokoll · die Tablette · der Medikamentenplan · die Infusion · die Spritze · die Anordnung

Hygiene und Dokumentation (8) die Händedesinfektion · die Einmalhandschuhe (Plural) · der Schutzkittel · das Isolationszimmer · die Kurve · der Pflegebericht · die Visite · die Angehörigen (Plural)

Fehlt Ihnen ein Wort, das auf Ihrer Station jeden Tag fällt? Dann gehört es auf Ihre Liste. Jede Station hat ihre eigenen Wörter.

Wie lernt man 50 Wörter in einer Woche?

Öfter begegnen. Eine Metaanalyse über 26 Studien zum Wortschatzlernen in der Fremdsprache fand einen mittleren Zusammenhang zwischen der Zahl der Begegnungen mit einem Wort und dem Lernerfolg. Wie stark er war, hing unter anderem davon ab, ob die Begegnungen verteilt waren und ob es Bilder dazu gab (Uchihara et al., 2019).

Mehrmals abrufen. In einem Experiment lernten 98 Lernende Wortpaare und riefen sie in einer Lerneinheit ein-, drei-, fünf- oder siebenmal ab. Fünf und sieben Abrufe führten auch zwei Wochen später zu besseren Ergebnissen als ein oder drei. Allerdings kostet jeder Abruf Zeit: Bei gleicher Lernzeit schnitt ein einzelner Abruf am besten ab (Nakata, 2017). Für die Praxis heißt das: lieber oft und kurz, als lange auf einmal.

Daraus haben wir einen Plan gemacht. Er ist unser Vorschlag, keine Forschungsvorgabe.

Grafik: Fünf Tage, je zehn neue Wörter und Wiederholung der alten. Tag 1: Dienst und Team, dazu Händedesinfektion und Einmalhandschuhe. Tag 2: Patientenzimmer und Schutzkittel, Tag 1 wiederholen. Tag 3: Pflege am Bett, Isolationszimmer und Visite, Tage 1 und 2 wiederholen. Tag 4: Beobachten und Kurve. Tag 5: Essen, Trinken, Medikamente, Pflegebericht und Angehörige. Danach: einmal pro Woche alle 50.

Was Sie tun können

  1. Zehn neue Wörter am Tag. Mehr nicht. Dazu die Wörter vom Vortag noch einmal aus dem Kopf.
  2. Immer mit Artikel. „die Kurve“, nicht „Kurve“. Warum das so wichtig ist, steht im Beitrag Der, die, das auf Station.
  3. Laut sprechen. Leise lesen reicht nicht. Sagen Sie jedes Wort, so wie Sie es auf Station hören.
  4. Ein Satz pro Wort. „Ich messe jetzt Ihren Blutdruck.“ So lernen Sie das Wort gleich in der Situation, in der Sie es brauchen.
  5. Zudecken und abrufen. Deutsche Spalte abdecken, aus dem Kopf sagen, dann prüfen. Das ist anstrengender als Lesen, hält aber länger.
  6. Auf Station suchen. Zeigen Sie in der Pause auf Dinge und sagen Sie das Wort leise dazu: das Bettgitter, der Nachttisch, die Rufanlage.
  7. Die Liste anpassen. Streichen Sie, was auf Ihrer Station nicht vorkommt, und ergänzen Sie, was Sie dreimal am Tag hören.

Wie PflegeMate dabei helfen kann

PflegeMate ist eine Sprachlernhilfe für die Wörter und Sätze des Stationsalltags. Von den 50 Wörtern dieser Liste stehen 45 in der App als eigener Begriff, mit Bild, Übersetzung in die eigene Sprache und drei Beispielsätzen, für Patientin, Kollegin und Ärztin. Blutdruck, Puls, Temperatur und Blutzucker stehen als Tätigkeit drin („Blutdruck messen“). Nur „die Mobilisation“ fehlt als eigener Eintrag. Seit Version 2.1 vom August spricht die App jedes Wort mit seinem Artikel, Abkürzungen werden buchstabiert, so wie man sie auf Station sagt.

Für den Fünf-Tage-Plan können Sie die Wörter eines Tages als Favoriten markieren und sie abends anhören. Abfragen müssen Sie sich selbst, etwa durch Zudecken. PflegeMate ist kein medizinisches Nachschlagewerk und bereitet nicht auf Prüfungen vor. Mehr auf der Seite zu PflegeMate.

Häufige Fragen

Warum gerade 50 Wörter? Weil 50 in fünf Tagen à zehn Wörter machbar sind, auch nach dem Dienst. Die Zahl ist eine praktische Größe, keine Forschungszahl. Wichtiger als die Menge ist, dass Sie die Wörter mehrmals abrufen.

Soll ich die Wörter in meine Sprache übersetzen? Für die Bedeutung ja, das hilft beim Verstehen. Sprechen und hören sollten Sie sie aber auf Deutsch. Mehr dazu im Beitrag über die Muttersprache als Brücke.

Heißt es der oder die Rollator? Der Rollator. Bei vielen Pflegewörtern hilft keine Regel, deshalb gehört der Artikel immer dazu.

Was kommt nach der ersten Woche? Verben und feste Sätze, vor allem für die Übergabe und das Telefon. Wie eine Übergabe sprachlich aufgebaut ist, steht im Beitrag Übergabe auf Deutsch.

Quellen

  • Dervishi, A., Jäger, S., Duka, B., Kika, E., Bezhani, V., Lena, A. & Ivziku, D. (2025). Integration of Albanian nurses in Germany: Employment challenges and opportunities – A descriptive study. AIMS Public Health, 12(2), 399–417. https://doi.org/10.3934/publichealth.2025023
  • Nakata, T. (2017). Does repeated practice make perfect? The effects of within-session repeated retrieval on second language vocabulary learning. Studies in Second Language Acquisition, 39(4), 653–679. https://doi.org/10.1017/S0272263116000280
  • Nation, I. S. P. (2006). How large a vocabulary is needed for reading and listening? The Canadian Modern Language Review, 63(1), 59–82. https://doi.org/10.3138/cmlr.63.1.59
  • Uchihara, T., Webb, S. & Yanagisawa, A. (2019). The effects of repetition on incidental vocabulary learning: A meta-analysis of correlational studies. Language Learning, 69(3), 559–599. https://doi.org/10.1111/lang.12343

Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu

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