Kurz gesagt: Zahlen zerlegen heißt erkennen, dass eine Zahl aus zwei Teilen besteht, etwa 7 aus 5 und 2. Das lässt sich zu Hause gut mit Alltagsmaterial üben: Bohnen, Becher, Finger, Eierkarton, Karten, ein selbst gemaltes Spielbrett und der Esstisch reichen. Am meisten bringen kurze, häufige Runden, in denen Kinder Mengen sehen, Teile finden und über ihren Weg sprechen.
Die Adventszeit ist Spielezeit. Vielleicht fragen Sie sich gerade: Wie kann ich mein Kind beim Rechnenlernen unterstützen, ohne dass es nach Hausaufgaben aussieht? Gute Nachricht: Für Zahlzerlegung braucht es kein Arbeitsblatt. Hier sind sieben Spiele, die wir für Kinder von etwa fünf bis sieben Jahren empfehlen, jeweils mit kurzer Begründung aus der Forschung.
Warum Zahlzerlegung so wichtig ist, steht in unserem Leitartikel Zahlzerlegung: 8 = 5 + 3. Hier geht es um die Praxis.

Warum spielen statt üben?
Spielen ist hier kein Trick, um Übung zu verstecken. In einer Studie mit 183 Familien hing der spielerische Umgang mit Zahlen zu Hause, etwa bei Spielen mit Zahlen, ein Jahr später mit dem Rechnen mit Mengen zusammen. Gezieltes Üben wie Plusaufgaben hing eher mit dem Wissen über Ziffern und das Zahlsystem zusammen. Und auch die Freude der Eltern an Zahlen spielte eine Rolle (Skwarchuk, Sowinski & LeFevre, 2014). Beides hat also seinen Platz, und Ihre eigene Haltung zählt mit.
1. Die Schüttelbox
Material: eine Dose mit Deckel, sieben Bohnen, die auf einer Seite bemalt sind (oder Knöpfe mit zwei Farben).
So geht’s: Kräftig schütteln, ausschütten, ansehen: „Fünf bunte und zwei weiße. Sieben ist fünf und zwei.“ Jede neue Runde ergibt eine neue Zerlegung. Notieren Sie die Funde in einer Liste oder als kleine Zahlenhäuser. Nach ein paar Runden fragen Sie: „Haben wir schon alle gefunden?“
Warum es wirkt: Kinder entdecken alle Zerlegungen einer Zahl und merken, dass das Ganze gleich bleibt, egal wie die Teile ausfallen. In einem Experiment mit Fünf- bis Sechsjährigen hing der Erfolg beim Rechnen durch Zerlegen genau mit diesem Wissen über die Teil-Teil-Ganzes-Beziehungen der Zahlen bis 10 zusammen (Cheng, 2012).
2. Versteckt!
Material: ein Becher, sieben Murmeln oder Nüsse.
So geht’s: Zählen Sie gemeinsam die sieben Murmeln. Das Kind schließt die Augen, Sie verstecken einige unter dem Becher. „Drei liegen draußen. Wie viele sind versteckt?“ Dann wird nachgesehen. Später tauschen Sie die Rollen.
Warum es wirkt: Das Kind muss den fehlenden Teil erschließen, statt alles abzuzählen. Genau dieses Rechnen über Teile statt über Zählen lässt sich schon im Vorschulalter anbahnen (Cheng, 2012).
3. Fingerblitz
Material: zwei Hände.
So geht’s: Sie nennen eine Zahl, das Kind zeigt sie so schnell wie möglich mit den Fingern. Dann: „Kannst du die Sieben auch anders zeigen?“ Fünf und zwei, vier und drei … Umgekehrt zeigen Sie kurz Finger, das Kind nennt die Zahl, ohne zu zählen.
Warum es wirkt: In einer Trainingsstudie mit 328 Kindergartenkindern verbesserte ein Fingerzähltraining die Additionsleistung deutlich (Poletti et al., 2025). Eine andere Studie mit Sechs- bis Siebenjährigen fand den größten Nutzen, wenn Fingerübungen mit Spielen kombiniert wurden, in denen Zahlen auf verschiedene Weise dargestellt sind (Jay & Betenson, 2017). Ziel ist die volle Hand als „fünf“, nicht das Abzählen einzelner Finger.
4. Der Eierkarton als Zehnerfeld
Material: ein Eierkarton für zehn Eier, Kastanien, Walnüsse oder Tischtennisbälle.
So geht’s: Legen Sie zum Beispiel sieben Kastanien hinein, die obere Reihe zuerst voll. „Wie viele Mulden sind leer?“ Das Kind sieht: fünf oben, zwei unten, drei frei. Sieben und drei sind zehn.
Warum es wirkt: Mengen, die in Gruppen geordnet sind, erfassen Kinder ab der ersten Klasse schneller als ungeordnete, und dieser Vorteil hängt mit der Rechenflüssigkeit zusammen (Starkey & McCandliss, 2014). Der Eierkarton liefert die Fünferstruktur gleich mit. Mehr dazu im Beitrag Kraft der Fünf.
5. Partner-Memory
Material: 18 selbst gemachte Karten: auf neun Karten die Zahlen 1 bis 9, auf den anderen neun die passenden Partner zur 10 als Punktbild.
So geht’s: Wie Memory, nur dass ein Paar zusammen zehn ergibt: die 7 und das Bild mit drei Punkten. Wer ein Paar findet, sagt den Satz: „Sieben und drei sind zehn.“ Für jüngere Kinder spielen Sie mit den Partnern einer kleineren Zahl, etwa der 6.
Warum es wirkt: Hier geht es ums Abrufen. Das darf ruhig auch Merken sein: In einer großen Studie mit 877 Zweitklässlern brachten Merkübungen mit Zahlpaaren in fast allen Leistungsgruppen größere Fortschritte als rein verständnisorientierte Übungen (Östergren et al., 2023). Das Punktbild hält dabei die Menge im Blick.
6. Genau auf die 10
Material: ein selbst gemaltes Spielbrett mit den Feldern 1 bis 10 in einer Reihe, ein Würfel, eine Spielfigur pro Person.
So geht’s: Abwechselnd würfeln und ziehen. Gewonnen hat, wer genau auf der 10 landet. Vor jedem Wurf fragen Sie: „Wie viele fehlen dir noch bis 10?“ Wer zu viel würfelt, bleibt stehen. Kleben Sie auf den Würfel bei Bedarf nur die Zahlen 1 bis 3.
Warum es wirkt: Brettspiele mit einer durchnummerierten Reihe verbessern das Zahlverständnis messbar. In einer Studie mit Vorschulkindern aus Familien mit geringem Einkommen genügte rund eine Stunde Spielzeit für Fortschritte beim Zählen, beim Größenvergleich, beim Schätzen auf dem Zahlenstrahl und beim Zahlenerkennen, die neun Wochen später noch da waren. Kinder, die dasselbe Spiel mit farbigen statt nummerierten Feldern spielten, verbesserten sich nicht (Ramani & Siegler, 2008). Die Frage „Wie viele fehlen bis 10?“ ist unsere Ergänzung: Sie macht aus dem Zählspiel ein Zerlegungsspiel.
7. Tisch decken
Material: was ohnehin auf den Tisch kommt.
So geht’s: „Wir sind sechs. Vier Teller stehen schon, wie viele fehlen?“ Oder beim Aufräumen: „Acht Löffel, fünf sind in der Schublade, wo sind die anderen?“
Warum es wirkt: Zahlen im Alltag sind Teil der häuslichen Lernumgebung, die mit dem Zahlverständnis zusammenhängt (Skwarchuk et al., 2014). Und sie zeigen dem Kind ganz nebenbei: Zerlegen braucht man wirklich.
Wie oft sollten wir spielen?
Kurz und oft. Verteiltes Üben ist im Klassenzimmer auch für Drittklässler belegt, dort mit einem Vorteil nach einer Woche, der bei den Jüngeren nach sechs Wochen nicht mehr sicher nachweisbar war (Barzagar Nazari & Ebersbach, 2019). Fünf bis zehn Minuten an mehreren Tagen sind besser als eine lange Sitzung am Wochenende. Hören Sie auf, solange es noch Spaß macht.
Und wenn Ihr Kind sich vertut: Fragen Sie, wie es darauf gekommen ist, und lassen Sie es die Lösung selbst nachlegen. Warum wir Fehler nie als Makel behandeln, erklärt unser Beitrag Warum Fehler in unseren Apps nie rot sind.
Und die App?
Wer zwischendurch allein üben möchte, kann das mit unserer App Zahlzerlegung tun. Sie ersetzt die Spiele oben aber nicht. Das Anfassen, Verstecken und gemeinsame Sprechen über Teile kann kein Bildschirm übernehmen.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter eignen sich die Spiele? Etwa ab fünf Jahren. Für Jüngere beginnen Sie mit kleinen Zahlen bis 5, für Schulkinder gehen Sie bis 10.
Mein Kind zählt bei jedem Spiel alles ab. Ist das falsch? Nein, Zählen ist ein normaler Zwischenschritt. Helfen Sie mit Struktur: „Siehst du die volle Reihe? Das sind fünf.“ Mehr dazu im Beitrag Zählendes Rechnen.
Welches Spiel ist das beste für den Anfang? Die Schüttelbox: Sie braucht kaum Material, jedes Ergebnis ist richtig, und sie zeigt alle Zerlegungen einer Zahl.
Wie lange dauert es, bis mein Kind die Partnerzahlen auswendig kann? Das ist sehr unterschiedlich. Wie Ableiten und Üben zusammenwirken, lesen Sie im Beitrag Partnerzahlen bis 10.
Quellen
- Barzagar Nazari, K. & Ebersbach, M. (2019). Distributing mathematical practice of third and seventh graders: Applicability of the spacing effect in the classroom. Applied Cognitive Psychology, 33(2), 288–298. https://doi.org/10.1002/acp.3485
- Cheng, Z.-J. (2012). Teaching young children decomposition strategies to solve addition problems: An experimental study. The Journal of Mathematical Behavior, 31(1), 29–47. https://doi.org/10.1016/j.jmathb.2011.09.002
- Jay, T. & Betenson, J. (2017). Mathematics at your fingertips: Testing a finger training intervention to improve quantitative skills. Frontiers in Education, 2, 22. https://doi.org/10.3389/feduc.2017.00022
- Östergren, R., Träff, U., Elofsson, J., Hesser, H. & Samuelsson, J. (2023). Memorization versus conceptual practice with number combinations: Their effects on second graders with different types of mathematical learning difficulties. Scandinavian Journal of Educational Research, 68(6), 1155–1170. https://doi.org/10.1080/00313831.2023.2211983
- Poletti, C., Krenger, M., Létang, M., Hennequin, B. & Thevenot, C. (2025). Finger counting training enhances addition performance in kindergarteners. Child Development, 96(1), 251–268. https://doi.org/10.1111/cdev.14146
- Ramani, G. B. & Siegler, R. S. (2008). Promoting broad and stable improvements in low-income children’s numerical knowledge through playing number board games. Child Development, 79(2), 375–394. https://doi.org/10.1111/j.1467-8624.2007.01131.x
- Skwarchuk, S.-L., Sowinski, C. & LeFevre, J.-A. (2014). Formal and informal home learning activities in relation to children’s early numeracy and literacy skills: The development of a home numeracy model. Journal of Experimental Child Psychology, 121, 63–84. https://doi.org/10.1016/j.jecp.2013.11.006
- Starkey, G. S. & McCandliss, B. D. (2014). The emergence of “groupitizing” in children’s numerical cognition. Journal of Experimental Child Psychology, 126, 120–137. https://doi.org/10.1016/j.jecp.2014.03.006
Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu
