Kurz gesagt: Mengenpiraten ist seit dem 7. August im App Store, für das iPad. Kinder von 5 bis 8 Jahren würfeln, legen Münzen, sagen, wer mehr hat, und erbeuten genau den Unterschied, zu zweit oder allein, auf sechs Inseln mit steigender Schwierigkeit. Die App ist in sechs Sprachen vollständig vertont, hat keine Werbung und keine In-App-Käufe und funktioniert ohne Internet.

Seit Mai haben wir hier beschrieben, was uns beim Vergleichen wichtig ist: warum Vergleichen vor dem Rechnen kommt, wie Kinder > und < verstehen, wie aus einem Würfelspiel am Küchentisch eine Spielidee wurde und warum zwei Kinder an ein iPad gehören. Jetzt ist das Spiel erschienen. Hier steht nüchtern, was es kann und was nicht.

Was übt Mengenpiraten?

Mengen vergleichen: Wer hat mehr, wer hat weniger, haben wir gleich viel? Und wie viele sind es mehr? Kinder üben dabei drei feste Formulierungen, „mehr als“, „weniger als“ und „gleich viel“, und bestimmen den Unterschied zwischen zwei Mengen, zuerst durch Paarebilden, später im Kopf. Das ist kein Nebenschauplatz: Wie gut Kinder Mengen und Zahlen vergleichen, hängt über alle Altersgruppen mit ihren Matheleistungen zusammen (Schneider et al., 2017).

Begleitet werden sie von drei Figuren: Käpt’n Coral erklärt und spricht alle Anweisungen. Papagei Piet ist der Gegenspieler, wenn ein Kind allein spielt. Und Krake Kalle hilft, wenn ein Kind nicht weiterweiß.

Wie läuft eine Runde ab?

  1. Würfeln. Beide würfeln, das Würfelbild bleibt stehen.
  2. Legen. Jedes Kind zieht so viele Münzen auf sein Deck. Geprüft wird erst, wenn es selbst auf „Fertig“ tippt.
  3. Vergleichen. Die Münzen beider Seiten liegen Zeile für Zeile nebeneinander. Das Kind wählt einen von drei Sätzen: „Ich habe mehr als du“, „Ich habe weniger als du“ oder „Wir haben gleich viel“. Jeder Satz lässt sich vorlesen.
  4. Erbeuten. Wer mehr hat, zieht die Münzen ohne Partner einzeln in seine Schatztruhe. Die Beute ist genau der Unterschied. Bei gleich viel erbeutet niemand etwas.

Der vierte Schritt ist der Kern der App. Die Frage „Wie viele Vögel mehr als Würmer?“ beantworten viele Kinder falsch, die Frage „Wie viele Vögel bekommen keinen Wurm?“ dagegen oft richtig (Hudson, 1983). In Mengenpiraten wird diese zweite Frage zur Handlung, und der Satz „mehr als“ kommt gleich dazu.

Danach fasst Käpt’n Coral die Runde in einem Satz zusammen, etwa „Fünf ist mehr als drei. Der Unterschied ist zwei.“ Die Truhe ist ein Zehnerfeld, ab Insel 3 ein Zwanzigerfeld mit einer Lücke nach jeweils fünf. Wer sie zuerst füllt, gewinnt ein Puzzleteil der Schatzkarte. Nach zehn Runden endet ein Spiel spätestens. Steht es dann unentschieden, bekommen beide ein Teil.

Grafik: Echter Bildschirm aus Mengenpiraten beim Vergleichen. Links zwei Goldmünzen eines Kindes, rechts fünf achteckige Silbermünzen von Papagei Piet, zwei Paare sind durch Linien verbunden. Darunter die drei Satzkarten „Wir haben gleich viel“, „Ich habe weniger als du“, „Ich habe mehr als du“. Daneben vier nummerierte Schritte: würfeln, legen, vergleichen, erbeuten.

Was ändert sich von Insel zu Insel?

Insel Was neu ist
1 Muschelbucht ein Würfel, sechs Felder, die Paar-Linien sind immer zu sehen
2 Palmenstrand wie Insel 1, die Linien erscheinen nur noch bei Bedarf
3 Felseninsel zwei Würfel, bis zu zwölf Münzen, die Truhe wird zum Zwanzigerfeld
4 Nebelinsel Die Münzen sind drei Sekunden zu sehen, dann zieht Nebel auf: vergleichen aus dem Gedächtnis
5 Vulkaninsel Ziffern statt Würfelbildern; den Unterschied tippt das Kind als Zahl ein
6 Schatzinsel Über jedem Satz steht zusätzlich die Schreibweise mit Zeichen, etwa 5 > 3

Die nächste Insel öffnet sich, sobald auf der vorigen ein Puzzleteil gewonnen ist. Zurücksegeln geht jederzeit, herabgestuft wird nie. Auf der Schatzinsel erscheint ein Zeichen nie ohne seinen Satz, und je nach Runde ist es >, < oder =. Kinder verstanden in einer Studie das Gleichheitszeichen besser, wenn sie es mit > und < verglichen hatten (Hattikudur & Alibali, 2010). Mehr dazu im Beitrag zu den Größer-kleiner-Zeichen.

Grafik: Die sechs Inseln von Mengenpiraten als Ausschnitte aus der Inselkarte der App: Muschelbucht, Palmenstrand, Felseninsel mit Leuchtturm, Nebelinsel, Vulkaninsel und Schatzinsel mit Truhe, jeweils mit einem Stichwort, was dort neu ist.

Zu zweit oder gegen Piet

Zu zweit spielen zwei Kinder an einem iPad auf demselben Brett, das eine mit runden Gold-, das andere mit achteckigen Silbermünzen. Form und Farbe unterscheiden sich, damit auch Kinder mit Farbfehlsichtigkeit die Seiten auseinanderhalten. Wer antwortet, wechselt jede Runde. Warum wir das so gebaut haben, steht im Beitrag Zu zweit an einem iPad.

Allein spielt ein Kind gegen Papagei Piet. Piet würfelt fair, ohne heimliche Hilfe für eine Seite. Ab und zu verzählt er sich absichtlich um eins. Dann darf das Kind seine Münzen korrigieren und zeigt damit selbst, was richtig ist.

Was passiert nach einem Fehler?

Kein Fehlerton, kein Rot, kein „Falsch“. Hat ein Kind zu viele oder zu wenige Münzen gelegt, sagt Käpt’n Coral: „Fast! Zähle noch einmal.“ Die Münzen bleiben liegen, das Kind kann nachbessern. Nach dem zweiten Fehlversuch erscheinen Hilfslinien. Wählt ein Kind den falschen Satz, taucht Krake Kalle auf, Linien verbinden die Münzpaare, und Coral sagt: „Kalle hilft dir. Schau auf die Linien!“ Dann wählt das Kind noch einmal. Die richtige Antwort nimmt die App nicht vorweg, das Kind entscheidet selbst. Mehr dazu, warum wir auf Rot verzichten, im Beitrag Warum Fehler in unseren Apps nicht rot sein sollen.

Was es sonst noch gibt

  • Schnelle Beute: ab Insel 2 ein Übungsmodus mit zwölf kurzen Vergleichsaufgaben, ohne Uhr und ohne Countdown.
  • Sprachspeicher: Über die Muschel lassen sich die Satzbausteine „… hat mehr als …“, „… hat weniger als …“ und „… haben gleich viel“ jederzeit anhören.
  • Piratenfrage: Höchstens einmal pro Spiel stellt Coral eine Zusatzfrage, etwa wie viele Münzen bis zur vollen Truhe fehlen. Eine richtige Antwort bringt eine Bonusmünze, eine falsche hat keine Folgen.
  • Eltern-Bereich hinter einer Erwachsenen-Schranke: Lernstand je Kind für Legen, Vergleichen und Beute als Ampel in Grün, Gelb und Orange, dazu Inselfortschritt und Sitzungen. Einstellungen für Sprache, Ton, Musik, Untertitel, „Hilfen immer an“ und eine sanfte Pause-Erinnerung.

Was Mengenpiraten bewusst nicht tut

  • Keine Werbung, keine In-App-Käufe, keine externen Links. In einer Untersuchung von 135 beliebten Apps für Kinder bis fünf Jahre enthielten 95 % irgendeine Form von Werbung, als „pädagogisch“ bezeichnete Apps kaum seltener (Meyer et al., 2019).
  • Kein Konto, kein Internet. Alle Daten bleiben auf dem Gerät.
  • Kein Zeitdruck, keine Leben, keine Bestenlisten. Wie lange ein Kind braucht, wird nur still notiert und im Eltern-Bereich als Verlauf gezeigt, mit dem Hinweis, dass Zeit nie Spielbedingung ist.
  • Kein Ersatz für Gespräch und Diagnostik. Die App übt Grundlagen. Sie ersetzt keine Förderdiagnostik und keine Lerntherapie.

Gute Lern-Apps unterstützen aktives, engagiertes, bedeutungsvolles und sozial eingebundenes Lernen (Hirsh-Pasek et al., 2015). Den sozialen Teil haben wir mit dem Spiel zu zweit eingebaut. Ein Erwachsener, der ab und zu danebensitzt, bleibt trotzdem wertvoll.

Für wen ist Mengenpiraten gedacht?

Für Kinder von 5 bis 8 Jahren, also vom letzten Kita-Jahr bis in die zweite Klasse. Lesen müssen sie nicht: Jede Anweisung wird gesprochen, lässt sich durch Antippen der Figur wiederholen und erscheint auf Wunsch als Untertitel. Mehr dazu im Beitrag Mathe ohne Lesen.

Die App gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch und Russisch, jeweils mit allen gesprochenen Sätzen. Sie läuft nur auf dem iPad, weil das gemeinsame Brett, die großen Münzen und das Spiel zu zweit die Fläche eines Tablets brauchen.

Was Sie tun können

  1. Nach dem Warum fragen. „Woran siehst du, wer mehr hat?“ bringt Ihr Kind dazu, die Paare zu erklären.
  2. Die Sätze mitsprechen. „Ich habe zwei mehr als du“ ist der Satz, um den es geht. Sprechen Sie ihn auch im Alltag.
  3. Die Tischversion spielen. Würfel, Knöpfe und eine Eierschachtel genügen, wie im Beitrag Eine Pirateninsel für das Vergleichen.
  4. Kurz und regelmäßig. Ein Spiel dauert höchstens zehn Runden, das ist eine gute Einheit.

Häufige Fragen

Gibt es Mengenpiraten für iPhone oder Android? Zum Start gibt es Mengenpiraten nur im App Store für das iPad.

Können Geschwister auf einem iPad spielen? Ja. Jedes Kind wählt ein eigenes Meerestier, zehn stehen zur Auswahl, und jedes Tier hat seinen eigenen Fortschritt.

Braucht mein Kind ein Konto oder Internet? Nein. Die App funktioniert ohne Konto und ohne Internetverbindung.

Wie heißt die App im englischen App Store? Dort heißt sie „Number Pirates“.

Mehr zur App finden Sie auf der Seite zu Mengenpiraten.

Quellen

  • Hattikudur, S. & Alibali, M. W. (2010). Learning about the equal sign: Does comparing with inequality symbols help? Journal of Experimental Child Psychology, 107(1), 15–30. https://doi.org/10.1016/j.jecp.2010.03.004
  • Hirsh-Pasek, K., Zosh, J. M., Golinkoff, R. M., Gray, J. H., Robb, M. B. & Kaufman, J. (2015). Putting education in “educational” apps: Lessons from the science of learning. Psychological Science in the Public Interest, 16(1), 3–34. https://doi.org/10.1177/1529100615569721
  • Hudson, T. (1983). Correspondences and numerical differences between disjoint sets. Child Development, 54(1), 84–90. https://doi.org/10.2307/1129864
  • Meyer, M., Adkins, V., Yuan, N., Weeks, H. M., Chang, Y.-J. & Radesky, J. (2019). Advertising in young children’s apps: A content analysis. Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics, 40(1), 32–39. https://doi.org/10.1097/DBP.0000000000000622
  • Schneider, M., Beeres, K., Coban, L., Merz, S., Susan Schmidt, S., Stricker, J. & De Smedt, B. (2017). Associations of non-symbolic and symbolic numerical magnitude processing with mathematical competence: A meta-analysis. Developmental Science, 20(3), e12372. https://doi.org/10.1111/desc.12372

Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu

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