Kurz gesagt: Seit dem 7. August 2026 gibt es zwei neue Lernwunder-Apps im App Store. Mengenpiraten übt mit Kindern von 5 bis 8 Jahren das Vergleichen von Anzahlen, die erste Station unseres Lernwegs. Tinu Time übt mit Kindern von 5 bis 10 Jahren das Uhrlesen, eine Anwendung, die auf mehreren Stationen aufbaut. Beide Apps sind werbefrei, ohne In-App-Käufe und funktionieren offline.
Im Juni haben wir beschrieben, wie unsere Apps aufeinander aufbauen: Mengen vergleichen und erfassen, Zahlen zerlegen, über die Zehn rechnen, Stellenwert, Einmaleins, dazu die Uhr als Anwendung. Damals gab es zwei Apps auf diesem Weg. Seit letzter Woche sind es vier. Hier ordnen wir die beiden neuen kurz ein. Was jede App im Einzelnen kann, steht in den Start-Beiträgen zu Mengenpiraten und Tinu Time.

Wo steht Mengenpiraten im Lernweg?
Ganz am Anfang. Bevor Kinder Zahlen zerlegen, müssen sie beurteilen können, wo mehr ist, wo weniger und wann es gleich viel ist. Eine Metaanalyse mit 17.201 Teilnehmenden fand einen verlässlichen Zusammenhang zwischen dem Vergleichen von Mengen und Ziffern und mathematischen Leistungen, für Ziffern etwas stärker (r = 0,30) als für Punktmengen (r = 0,24) (Schneider et al., 2017). Ein mäßiger Zusammenhang, aber einer, der sich über alle Altersgruppen zeigt.
In einem Entwicklungsmodell der frühen Zahlkompetenzen ist das genaue Vergleichen („24 ist mehr als 23“) die zweite Ebene. Auf der dritten verstehen Kinder Beziehungen zwischen Zahlen: dass 5 genau zwei mehr ist als 3 und dass sich 8 in 5 und 3 zerlegen lässt (Ennemoser et al., 2024). Genau dort setzt dann Zahlzerlegung an.
Mengenpiraten führt über sechs Inseln vom Vergleichen der Würfelaugen über größere Mengen mit zwei Würfeln und Ziffern bis zu den Zeichen größer, kleiner und gleich. Die App ist für Kinder von 5 bis 8 Jahren gedacht und läuft nur auf dem iPad. Im Partnermodus spielen zwei Kinder an einem Gerät gegeneinander. Alle Anweisungen werden gesprochen, in sechs Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch und Russisch. Warum Vergleichen vor dem Rechnen kommt, haben wir in Mehr, weniger, gleich viel ausführlich beschrieben.
Wo steht Tinu Time im Lernweg?
Auf einem Seitenweg. Die Uhr ist keine eigene Station, sondern eine Anwendung: Sie verbindet Zählen in Fünferschritten, Hälften und Viertel und das Rechnen über die volle Stunde. Deshalb lernen Kinder sie über Jahre.
Eine Studie mit 240 Kindern der Klassen 1 bis 5 zeigt, wie unterschiedlich schnell das geht. Digitale Uhrzeiten konnten schon Erstklässler gut lesen. Auf der analogen Uhr waren nur volle Stunden genauso leicht, manche anderen Zeiten blieben selbst für die Ältesten schwierig (Friedman & Laycock, 1989). Kinder mit Rechenschwierigkeiten hatten in einer anderen Studie besonders bei Fünf-Minuten- und Minutenzeiten Mühe, ihre Fehler deuteten auf unsichere Zählstrategien hin (Burny et al., 2012).
Tinu Time baut den Weg deshalb in neun Stufen auf, vom Zifferblatt über volle, halbe und Viertelstunden bis zu Minuten, dem 24-Stunden-Format und Zeitspannen. Wie wir zu dieser Reihenfolge gekommen sind, steht in Analog vor digital. Die App ist für Kinder von 5 bis 10 Jahren gedacht, läuft auf iPhone und iPad und ist in sechs Sprachen vertont: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch und Polnisch.
Welche App passt zu welchem Kind?
| Mengenpiraten | Tinu Time | |
|---|---|---|
| Thema | Anzahlen vergleichen: mehr, weniger, gleich viel | Uhr lesen, von der vollen Stunde bis zu Zeitspannen |
| Alter | 5 bis 8 Jahre | 5 bis 10 Jahre |
| Gerät | nur iPad | iPhone und iPad |
| Sprachen (vertont) | DE, EN, FR, ES, ZH, RU | DE, EN, FR, ES, ZH, PL |
| Lesen nötig? | nein, jede Anweisung wird gesprochen | nein, alle Erklärungen werden vorgelesen |
Die Altersangaben sind Richtwerte. Ein Kind, das im letzten Kita-Jahr gern würfelt und Dinge zählt, ist bei Mengenpiraten richtig. Ein Kind in der ersten Klasse, das nach der Uhrzeit fragt, kann mit Tinu Time beginnen. Tinu Time hat einen Einstufungstest, damit Kinder mit Vorwissen nicht von vorn anfangen müssen.
Was die Apps nicht leisten
Beide Apps üben eine Station. Sie ersetzen keinen Unterricht und keine Diagnostik. Wenn ein Kind beim Vergleichen oder bei der Uhr dauerhaft große Mühe hat, gehört das in ein Gespräch mit der Lehrkraft. Unser Beitrag Rechenschwierigkeiten erkennen hilft bei der Einordnung.
Und nicht alles passt überall: Mengenpiraten gibt es nur für das iPad, beide Apps gibt es zum Start nur im App Store.
Was Sie tun können
- Paare bilden statt zählen. Teller und Löffel, Socken, Stühle: Bleibt etwas übrig? Wo ist mehr?
- „Wie viele mehr?“ fragen. Nach dem Vergleich kommt der Unterschied: „Du hast 6, ich habe 4. Wie viele hast du mehr?“
- Die volle Stunde zuerst. Im Alltag die vollen Stunden benennen: „Um sieben gibt es Abendessen.“ Minuten kommen später.
- Eine Uhr im Kinderzimmer. Eine analoge Uhr mit gut lesbarem Zifferblatt macht die Zeit sichtbar. Eine Anleitung zum Selberbauen steht in Eine Lernuhr selbst basteln.
Häufige Fragen
Seit wann gibt es Mengenpiraten und Tinu Time? Beide Apps sind seit dem 7. August 2026 im App Store.
Braucht mein Kind für die Apps Internet oder ein Konto? Nein. Beide funktionieren komplett offline, ohne Werbung und ohne In-App-Käufe. Die Daten bleiben auf dem Gerät.
Mit welcher App fängt man an? Mit der, die zum Kind passt. Im Lernweg kommt das Vergleichen vor dem Zerlegen. Die Uhr läuft parallel und kann beginnen, sobald ein Kind sich für Uhrzeiten interessiert.
Gibt es die Apps auch für Android? Zum Start gibt es beide nur im App Store.
Quellen
- Burny, E., Valcke, M. & Desoete, A. (2012). Clock reading: An underestimated topic in children with mathematics difficulties. Journal of Learning Disabilities, 45(4), 351–360. https://doi.org/10.1177/0022219411407773
- Ennemoser, M., Sinner, D., Nguyen, L. & Krajewski, K. (2024). From developmental theory to effective training: Long-term and transfer effects of promoting the quantity–to–number word linkage in first-graders at risk for mathematical difficulties. Frontiers in Psychology, 15. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1380036
- Friedman, W. J. & Laycock, F. (1989). Children’s analog and digital clock knowledge. Child Development, 60(2), 357–371. https://doi.org/10.2307/1130982
- Schneider, M., Beeres, K., Coban, L., Merz, S., Schmidt, S. S., Stricker, J. & De Smedt, B. (2017). Associations of non-symbolic and symbolic numerical magnitude processing with mathematical competence: A meta-analysis. Developmental Science, 20(3), e12372. https://doi.org/10.1111/desc.12372
Lernwunder-Redaktion · Chaolan Lu
